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Bunte Spielfiguren auf einem Untergrund mit Linien

Close Up Photography of Yellow Green Red and Brown Plastic Cones on White Lined Surface (Quelle: Foto von Pixabay auf Pexels).

Open-Media-Studies-Blog

Digitale Medien und Methoden

Sven Stollfuß und Andreas Weich über die Dispositivanalyse

4.9.2020

In unserem Beitrag Die Medienwissenschaft im Lichte ihrer methodischen Nachvollziehbarkeit haben wir (Laura Niebling, Felix Raczkowski, Maike Sarah Reinerth und Sven Stollfuß) dazu aufgerufen, über «gegenstandsbezogene Methoden und Ansätze» zu sprechen. Zur Vorbereitung auf das von uns in diesem Zusammenhang geplante Methoden-Handbuch Digitale Medien und als Beitrag zu einer offenen Methodendiskussion im Fach kuratieren wir in den kommenden Monaten eine Sonderreihe zu «Digitale Medien und Methoden» im Open-Media-Studies-Blog mit ‹Werkstattberichten› zu den in der medienwissenschaftlichen Forschung eingesetzten Methoden.

Der achte Beitrag der Sonderreihe stammt von Sven Stollfuß und Andreas Weich und beschäftigt sich mit der medienwissenschaftlichen Adaption und Anwendung der Dispositivanalyse.

Forschungskontext

Auch wenn der Dispositivbegriff in der Medienwissenschaft nicht unumstritten ist, wird er in vielen Kontexten herangezogen, um das wechselseitige Zusammenspiel von Technologien, Medieninhalten, Diskursen, Praktiken und Subjekten unter Berücksichtigung der institutionellen, politischen, soziokulturellen, rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen zwischen Produktion, Distribution und Rezeption zu modellieren. Auch wenn, wie noch erläutert wird, je unterschiedliche Adaptionen des Konzepts Anwendung finden, wird es etwa für das Kino- oder Fernsehdispositiv sowie jüngst auch hinsichtlich eines «Profilierungsdispositivs» oder «Plattformdispositivs sozialer Medien» in Anschlag gebracht.1

Annäherungen an die Dispositivanalyse

Wer schon einmal in interdisziplinären Forschungskontexten oder in der Lehre über Dispositive gesprochen hat, wird festgestellt haben, dass man sich zunächst über ein äußerst voraussetzungsreiches ‹theoretisches Konzept› verständigen muss. Sprachlich geht es auf den im Französischen alltagssprachlichen Begriff «dispositif» zurück, der in poststrukturalistischen und postmodernen Diskursen seit den 1970er Jahren zu einem Terminus Technicus avancierte. Dabei integrierten ihn Autoren wie Foucault, Lyotard, Agamben oder Baudry in ihre jeweiligen theoretischen Settings, wodurch er unterschiedliche Prägungen erhielt. Bei der Analyse von Dispositiven nun verhält es sich ähnlich, insofern sie je nach gewähltem Dispositivkonzept mit verschiedenen Vorannahmen arbeitet. Die medienwissenschaftlichen Dispositivanalysen weisen untereinander erhebliche Differenzen auf. In den Sozialwissenschaften ist die Dispositivanalyse demgegenüber ein vergleichsweise elaborierter Ansatz – beispielsweise zur Untersuchung des Geschlechterdispositivs –, der jedoch nicht in erster Linie für die Untersuchung von Medienumgebungen ausgearbeitet wurde. Im Folgenden soll er daher als Ausgangspunkt eines medienwissenschaftlichen Adaptionsvorschlags dienen.

Bei der Dispositivanalyse handelt es sich grob zusammengefasst um einen systematisierend-einordnenden Ansatz, der das Zusammenwirken von Machtformationen, Wissensprozessen und Praxen, die den Alltag bzw. gesellschaftliche Ordnungen nachhaltig bestimmen, empirisch zu rekonstruieren sucht. Analytisch ins Verhältnis gesetzt werden dabei diskursive und nichtdiskursive Praxen mit Blick auf «deren symbolische wie materiale Objektivationen (als ‹Ordnung der Dinge› im Sinne von Gegenständlichkeiten/Sichtbarkeiten im gesellschaftlichen Wandel sowie der damit verbundenen Subjektivation/Subjektivierung. Im Anschluss an Foucaults theoretische Überlegungen erfolgt dabei eine ‹methodische Übersetzung› zunächst durch Jägers ‹dispositivanalytisches Dreieck›, das durch Bührmann und Schneider um Auswirkungen auf die Subjektkonstitution zu einer Dispositivanalyse über vier Dimensionen erweitert wird. In Abb. 1 zeigt sich die nachstehende Differenzierung der Untersuchungsdimensionen:

 

Abb. 1: Dimensionen der Dispositivanalyse nach Bührmann und Schneider2

Vereinfacht formuliert kann man diese vier Dimensionen in einem Bezugsprozess verstehen als Sprechen und Denken im Sinne diskursiver Praxen verarbeiteten Wissens, das sich wiederum über nichtdiskursive Praxen in Formen von Sichtbarkeiten zu materialisieren vermag. Gleichzeitig produziert dieses Zusammenspiel Effekte auf die beteiligten Subjekte hinsichtlich deren (normativen) Subjektkonstitution und entsprechenden Selbstverständnisses innerhalb sozio-kultureller Umgebungen.

In Erweiterung der Diskursanalyse fragt die Dispositivanalyse, so Bührmann und Schneider, «nach dem Zusammenhang zwischen einerseits ‹bedeutungsgebenden Diskursen› und andererseits ‹den Dingen› selbst». Es gehe darum, die sich gegenseitig konstruierenden und beeinflussenden Verbindungen von Sprechen, Denken, Schriftsprachlichkeit, nicht-sprachlicher Habitualisierung als routiniertes Handeln, die dabei hervorgebrachten materiellen Objekte und Symbolisierungen sowie die Auswirkungen auf Subjekte in ihrem machtrelativen Zusammenhang zu untersuchen. Das Programm der Analyse von Dispositiven kann schlaglichtartig wie folgt zusammengefasst werden:

  • Sie bezeichnet nicht nur die Summe infrastruktureller Bestandteile, sondern akzentuiert ein spezifisches analytisches Konzept in Hinblick auf das Netz von Verbindungen der einzelnen Bestandteile und den darin wirksamen Machtbeziehungen.
  • Sie sucht nach strategischen Zielsetzungen als Antworten auf konkrete (historische) gesellschaftliche Situationen (d.h. jenseits der situativen Praktiken etwa distinkter ‹Strategen-Subjekte›) sowie den Folgen der Existenz des Dispositivs und richtet die Betrachtung auf das Herausarbeiten der (historisch) zu präzisierenden Machtstrategien innerhalb des Beziehungsgeflechts der einzelnen dispositivanalytischen Elemente.
  • Sie lenkt die Aufmerksam in der Untersuchung auf die Subjektivierungsprozesse und Formen der Subjektkonstitution, die diskursiv produziert und entsprechend angeeignet, ausgehandelt oder abgelehnt werden.
  • Sie verknüpft Diskursives und Nicht-diskursives zu «Strategien von Kräfteverhältnissen, die Typen von Wissen stützen und von diesen gestützt werden»3 . Dispositive sind so zwar als «Problemlösungsoperatoren» zu verstehen, allerdings sind sie stets selbst eingebunden in Machtrelationen und somit auch immer gebunden an die Grenzen konkreter Wissensprozesse innerhalb diskursiver Rahmungen.

Forschungsperspektive und Forschungsstil

Forschungspragmatisch ist die Dispositivanalyse, wie in Abb. 2 dargestellt, in Forschungsperspektive und der Forschungsstil unterteilt. Die Forschungsperspektive setzt zunächst die epistemologischen Grundlagen und reflektiert die begrifflich-theoretischen Definitionen als dispositivtheoretische Basis der Untersuchung. Hier wird das zugrundeliegende Dispositivkonzept charakterisiert und festgelegt. Hieraus abgeleitet werden dann die Forschungsfragen und forschungsstrukturierenden Arbeitshypothesen. Unter dem Forschungsstil werden die methodologischen Vorgaben und konkreten methodischen Instrumentarien der Untersuchung zusammengefasst, die bedingt durch das in der Forschungsperspektive formulierte Erkenntnisinteresse und vor dem Hintergrund der Reflexion der Einsatzmöglichen und Untersuchungsgrenzen zielgerichtet eingesetzt werden können.

Bei der Dispositivanalyse handelt es sich somit um «keine eigenständige Methode, keine ‹geregelte› und ‹verregelte› methodische Vorgehensweise»4 . Entsprechend des Untersuchungskorpus und der epistemologischen Voraussetzungen eines spezifischen Projektes werden vielmehr «unterschiedliche methodische Techniken und Instrumente der Datenerhebung, aber auch der Datenauswertung flexibel auf einzelne Forschungsfragen bzw. -prozesse angewendet und entsprechend angepasst»5 .

 

Abb. 2: Forschungsperspektive und Forschungsstil in der Dispositivanalyse6 .

Dispositivanalytische Forschungsprojekte können dann innerhalb des Forschungsstils Untersuchungsabschnitte mit Teilarbeitsschritten festlegen und hermeneutische, empirisch qualitative und quantitative Vorgehensweisen je nach Erkenntnisinteresse zielführend verknüpfen. Diskurs- oder auch kategoriengeleitete inhaltsanalytische Ansätze auf Basis von Kodierleitfäden können mit Interviews, Onlinebefragungen, Fokusgruppenbefragungen, Beobachtungen oder Experimenten flexibel kombiniert werden.

Medienwissenschaftliche Adaption und Anwendung

Da Medien innerhalb der sozialwissenschaftlichen Dispositivanalyse keine explizite Verortung erfahren, ist zunächst die Frage zu klären, ob Medien selbst als Dispositive oder als Teil von Dispositiven zu analysieren sind. Bei der oben bereits erwähnten Anwendung auf Kino, Fernsehen oder auch Computerspiel sind die genannten Medien selbst als Dispositive veranschlagt. Diese Adaptionsvariante ist innerhalb der Medienwissenschaft verbreitet, wie auch Stauff oder Röhle feststellen, geht jedoch mit einer Abkehr von bei Foucault und auch der Dispositivanalyse nach Bührmann und Schneider zentraler Aspekte einher, wie der Frage nach Strategie, Urgence und einer Verlagerung der Ebene von gesamtgesellschaftlichen hin zu partikularen Konstellationen.

In seiner Systematisierung medienwissenschaftlicher Adaptionen des Dispositiv-Konzepts ordnet Thiele diese Ansätze der Kategorie ‹medienwissenschaftliche Medien-Dispositive› zu, die er von einem weiter gefassten und an Foucaults übrige Arbeiten anschlussfähigeren ‹medienkulturwissenschaftlichen Dispositiv-Netze›-Ansatz unterscheidet. In letzterem können Medien nicht nur selbst als Dispositive veranschlagt werden, sondern als Elemente, die in Dispositive eingebunden sind. Diese Art der Adaption findet sich zunehmend in medien- und kulturwissenschaftlichen Publikationen und ist anschlussfähig an die sozialwissenschaftliche Dispositivanalyse nach Bührmann und Schneider, in der Medien dann nicht selbst Dispositive sind, sondern Medientechnologien als Objektivationen unter anderen Objektivationen, medienkulturelle Praktiken als Praktiken unter anderen (nicht-diskursiven) Praktiken, Medien als Möglichkeitsräume unter anderen Möglichkeitsräumen für diskursive Praktiken und Subjektivationen/Subjektivierungen.

Diese medienwissenschaftliche Form der Dispositivanalyse nimmt also das Dispositiv mit seiner strategischen Ausrichtung und der jeweils historischen Urgence, auf die es reagiert, als Existenzbedingung seiner medialen Bestandteile an und fragt in erster Linie, welche Rolle sie innerhalb des Dispositivs spielen. Neben dieser Schwerpunktsetzung besteht eine mögliche medienwissenschaftliche Modifikation in der Ausweitung des sozialwissenschaftlichen Fokus auf medien- und kulturwissenschaftliche Fragestellungen – beispielsweise, indem sie Urgences nicht per se als gesellschaftliche Notstände veranschlagt, sondern ebenso als medientechnische- und kulturelle Problemlagen. Auch in den jeweiligen theoretisch-methodischen Zugängen können neben oder statt den sozialwissenschaftlichen auch medienhistorische und -analytische Verfahren z.B. der Medienarchäologie oder auch ästhetischer Untersuchungsansätze (z.B. Bild- oder Erzählanalyse) zur Anwendung gebracht werden.

Anwendungsszenario: Social TV in der digital-vernetzten Medienkultur

Anhand des DFG-Forschungsprojekts Social TV in der digital-vernetzten Medienkultur soll die dispositivanalytische Systematik aus medienwissenschaftlicher Anwendungsperspektive kurz skizziert werden. Die Untersuchung des ARD/ZDF-Content-Netzwerks funk im Konvergenzbereich von öffentlich-rechtlichem Rundfunk (ÖRR) und sozialen Netzwerken ist dabei eingebunden in die Betrachtung des alltäglichen, soziokulturellen und gesellschaftlichen Wandels infolge von Umbrüchen im Kontext digital-vernetzter Medien. Für das Dispositivkonzept Grundlagen in der Forschungsperspektive werden einerseits die institutionellen, technischen, produktionskulturellen etc. Strukturen des ÖRR  und die technologischen, kommunikationsspezifischen, partizipatorischen etc. Mechanismen sozialer Medien andererseits als strategische Teilelemente eines übergreifenden dispositiven Transformationsprozesses digital-vernetzer Mobilisierung in der «Plattformgesellschaft» zusammengefasst. Ausgangspunkt bildet ein sich dabei entwickelndes Konzept von «Social TV 3.0», das die sich anschließenden Analysen theoretisch entsprechend informiert.  

Im Forschungsstil erfolgt die methodische Aufarbeitung der für das Projekt relevanten Konstellationen in der Beziehungsveränderung zwischen ÖR-Sendern, Programm- und Sendungsverantwortlichen, Produzent_innen und Redakteur_innen, Plattformen (Facebook, Instagram, YouTube etc.), Inhalten/Formaten und Zuschauer_innen bzw. Nutzer_innen. Dabei werden vier Analyseebenen – institutionelle Strategien, professionelle Praktiken, Formate/Inhalte und User-Partizipation – in den zuvor beschriebenen dispositivanalytischen Differenzierungsrahmen eingebettet:

  • Als diskursive Praktiken werden die Forschungsliteratur zu aktuellen Konvergenzprozessen bezogen auf Social TV (Spezialdiskurs) und die auf der Ebene «institutionelle Strategien» aufgeführten Inhalte untersucht, die (vornehmlich eingesetzt als Äußerungspraktiken zur institutionellen Selbstdarstellung) als interdiskursive Praktiken aufgefasst werden. Als alltagsdiskursive Praktiken werden die Äußerungsformen von Nutzer_innen analysiert, die in Relationen zum Content auf der Ebene «Formate und Inhalte» zu den rezeptionsorientierten Aushandlungen gezählt werden.
  • Nichtdiskursive Praktiken umfassen die Handlungsweisen bzw. sinnlich-materiellen Tätigkeiten innerhalb eines spezifischen Diskurses. Dabei werden einerseits die nachstehend aufgeführten Aspekte auf der Ebene «professionellen Praktiken» analysiert. Andererseits erfolgt auch eine Untersuchung der auf der Ebene «User-Partizipation» aufgeführten Aspekte.
  • stellt das über soziale Netzwerke verteilte Contentnetzwerk dar. Analysiert werden die nachstehend auf der Ebene «Formate und Inhalte» aufgeführten Bestandteile.
  • vollzieht sich entlang der durch die dispositiven Transformationen produzierten Effekte auf die Rolle von Nutzer_innen als «user-as-collaborators», wie für die Ebene «User-Partizipation» beschrieben. Zugleich werden dadurch Effekte für die Rolle/Funktion von Produzent_innen virulent, die im veränderten Beziehungsgeflecht mit Nutzer_innen entstehen.

Entsprechend der heterogenen Zusammenstellung des Analysematerials sind die Inhalte, die auf den vier Ebenen primär untersucht werden, wie folgt zu spezifizieren:

  1. Auf der Ebene der konkreten «institutionellen Strategien» des ÖRR werden Strukturreformpapiere und Leitlinien (Social Media Policy), aber auch Statements und Selbstdarstellungen (z.B. Pressemeldungen) insbesondere im Kontext des Netzwerks funk ausgewertet.
  2. Auf der Ebene der «professionellen Praktiken» werden Expert_innen-Interviews geführt und mit veröffentlichten Presseinterviews mit Produktionsbeteiligten ausgewertet. So soll ein Verständnis über die veränderte Produktionskultur (sowie Rollen/Funktionen von Produktionsbeteiligten) im Zusammenhang mit der Konzept- und Inhaltsherstellung für funk herausgearbeitet werden. Hinsichtlich der Plattformisierung kultureller Produktion wird die strukturelle Verschiebungen zwischen ÖRR und Social Media durch die Ausrichtung der Inhalte an den Plattformbedingungen sozialer Netzwerke dispositivanalytisch eingebunden.
  3. Auf der Ebene «Formate und Inhalte» werden die funk-Inhalte in ihrer Kommunikationsumgebung sozialer Netzwerke untersucht (d.h. Accounts und Channels auf den jeweiligen Plattformen unter Berücksichtigung einer Nutzung über mobile Endgeräte wie das Smartphone). Ziel ist die Differenzierung von Formaten des Netzwerks, die als produktions-, distributions- und rezeptionsfähig für soziale Medien forciert werden. Zudem gilt es zu spezifizieren, welche Adressierungsformen zur Motivation von User Engagement die Inhalte des Netzwerks ausmachen. Unter Berücksichtigung der Klassifizierung verschiedener interaktiven und partizipativen Formen «of user influence on the media output» soll die «policy of participatory production» (Verhältnis von Producer-Generated und User-Generated Content) analysiert werden. Die medienästhetischen Auswirkungen sollen auf dieser Ebene die diskursiven Aspekte durch ästhetische Analysen (Erzählweisen, Bildästhetik, Format etc.) erweitern. Exemplarisch untersucht werden 15 Fallstudien u.a. gemäß der Faktoren Anzahl Views, Follower/Subscriber sowie Verleihung oder Nominierung von Auszeichnungen (z.B. Grimme Online Award).
  4. Soziale Medien produzieren Ausprägungen kollaborativer Communities, deren Kennzeichnung als ‹Mitmachgemeinschaft› für funk-Inhalte eingesetzt wird, um Nutzer_innen stärker einzubinden. Diese können bspw. aktiv mitdiskutieren, eigene Themenvorschläge einbringen, bei der Themenrecherche unterstützen, aber auch selbst als Akteure in Beiträgen auftauchen. Analytisch gefolgt wird dem Prinzip des «audience-as-collaborator framing», d.h. die Akteurs-Subjektivationen von Nutzer_innen werden als Adressierungsformen und strukturelle ‹Zurichtungen› im Material untersucht.

Auch wenn Dispositivanalysen nie vollständig sein können, macht das Anwendungsbeispiel deutlich, dass sie der Gewinnung und Analyse großer Mengen verschiedenen Materials bedürfen und vorrangig im Rahmen umfangreicher Forschungsprojekte erarbeitet werden. Im Rahmen kleinerer Forschungsvorhaben besteht die Möglichkeit, bestehende Dispositivanalysen zum Ausgangspunkt zu nehmen und sie um die Frage nach der Rolle von Medien zu erweitern oder bestimmte dispositivanalytische Perspektiven und Verfahrensweisen zu adaptieren und in das eigene Forschungsdesign zu integrieren.

  • 1Zum Profilierungsdispositivs siehe Andreas Weich: Selbstverdatungsmaschinen. Zur Genealogie und Medialität des Profilierungsdispositivs, Bielefeld, 2017. Zum Plattformdispositiv sozialer Medien vgl. die Überlegungen in José van Dijck, Thomas Poell: Understanding Social Media Logic, in: Media and Communication, Jg. 1, 2013, 2–14 in Verbindung mit den Ausführungen zu den machttheoretischen Fundierungen nach Foucault in José van Dijck: The Culture of Connectivity. A Critical History of Social Media, Oxford, 2013.
  • 2Andrea Bührmann, Werner Schneider: Vom Diskurs zum Dispositiv. Eine Einführung in die Dispositivanalyse, Bielefeld, 2012, 94.
  • 3Michel Foucault: Dispositive der Macht. Über Sexualität, Wissen und Wahrheit, Berlin, 1978, 123.
  • 4Bührmann, Schneider: Vom Diskurs zum Dispositiv, 16.
  • 5Ebd., 16–17.
  • 6Ebd., 16.

Bevorzugte Zitationsweise

Stollfuss, Sven; Weich, Andreas: Digitale Medien und Methoden. Sven Stollfuß und Andreas Weich über die Dispositivanalyse. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft, ZfM Online, Open-Media-Studies-Blog, , https://zfmedienwissenschaft.de/online/open-media-studies-blog/digitale-medien-und-methoden-2.

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