ZfM 36, erscheint im April 2027
Flüssige Epistemologien
Welchen Beitrag können medienwissenschaftliche Perspektiven auf den liquid turn leisten? Und wie können sich umgekehrt die Medienwissenschaft und ihre methodischen Verfahrensweisen durch ein Denken mit Wasser selbst kritisch befragen? Unter Schlagworten wie blue humanities oder wet ontologies werden Diskurse über Wasser und Gewässer gebündelt. Dieses Nachdenken verschränkt Diskurse über Umweltlichkeit, mehr-als-menschliche Relationalität, Migration, Klimagerechtigkeit oder (neo-)kolonialen Extraktivismus. Vor diesem Hintergrund möchte dieses Themenheft den Blick auf die epistemischen, methodischen und politischen Implikationen eines Nachdenkens über und mit dem Flüssigen werfen. Denn eine wesentliche medienwissenschaftliche Herausforderung im Umgang mit dem Flüssigen liegt im Zugriff auf seinen Gegenstand: Als knowledge spaces sind Gewässer und Ozeane genau durch jene Eigenschaften definiert, die den Zugriff auf sie und dieses Wissen verstellen. Flüssige Epistemologien widersetzen sich einerseits trockenen, auf festem Grund entwickelten Medien- und Wissensparadigmen, andererseits werden sie nur durch diese allererst wahrnehmbar.