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GAAAP_ The Blog

Der Aufstand der Betamännchen

18.12.2017

Sexuelle Belästigung von Männern an Frauen wird in der Regel unter dem Gesichtspunkt ihrer Opfer – Mädchen und Frauen – diskutiert. Dementsprechend ist der Kriegsruf: «Ich auch», #metoo. Es wird die Frage behandelt, ob die derzeitige Welle von erfolgreichen Outings prominenter Belästiger in den USA einen späten Sieg des Feminismus anzeigt. Im Gegensatz dazu stellen wir die Frage umgekehrt. Wir schauen nicht auf Frauen, ihren Schutz, ihre anstehende Ermächtigung und ihren Kampf gegen hierarchische Geschlechterverhältnisse – absolut wichtige und berechtigte Fragen, die wir aber hier nicht aufgreifen –, sondern wir sehen uns bestimmte Biotope von weniger sichtbaren und weniger ‹hegemonialen› Männlichkeiten1 an, in denen die sexuellen Objektivierung von Frauen ungebrochen scheint und politische Motive und Konsequenzen hat, denen man in den (Inter-)Netzwerken der politischen Rechten und einer neuen Tabubruchkultur nachspüren kann.   

Diese Männlichkeit geriert sich weitaus aggressiver als das Nötigungsunwesen und die Grabscherei mächtiger Politiker und Medienmogule und spielt sich meist jenseits medialer Skandalisierung in Chatrooms, Internetforen und der Blogosphäre ab. Wir reden hier von den mehrheitlich jungen Protagonisten der beta rebellion oder des selbstbenannten beta uprising.

Der Betamann fühlt wenig Gemeinsamkeit mit den Weinsteins und O'Reillys. Denn wo jene struktursexistische Institutionen (Hollywood, Cable TV) errichteten und sich an den Privilegien moderner Patriarchate wohltaten, entstammt der Betamann Strukturen, in denen Frauentausch und Objektivierung nur symbolisch stattfinden konnten: Videospiele, Tech-Startups, Nerd-Culture, BroGramming. In diesen nachhaltig männerdominierten Terrains waren die Betas unter sich und entwickelten eine Diskurskultur zwischen Fight Club, Super Mario Fan Convention und Frat Party. Male nerd culture, mit Leidenschaft politisch unkorrekt und juvenil transgressiv, ist eher libertärer Männerbund2 als patriarchales System. Formiert zur Jahrtausendwende, als die amerikanischen cultural wars zwischen agnostischen Liberalen und christlichen Fundamentalisten durch die Medien tobten, nutzten die Betas das Internet als anarchischen Freiraum zur Produktion von Gegenkulturen: in Messageboards wie 4Chan und Reddit entwickelten sich Haltungen und Sensibilitäten, die quer zum arrivierten Patriarchat der Väter und zum Feminismus der Mütter stehen wollten: «on the internet, nothing is sacred», fasst der rechtsextreme Blogger Mytheos Holt diese Geisteshaltung zusammen.3

Geprägt von Nihilismus, Zynismus, Transgression, obskurer Popkultur und hermetisch selbstreferentiellen Argumentationsketten versteht sich Beta-Kultur als rebellische und zeitgemäße Free-Speech-Alternative zum konsensgeleiteten Mainstream: ihre größten Feinde sind der Feminismus (Zensur), die «Social Justice Warriors» (Verblendung) und die traditionellen Konservativen (Langeweile), letztere auch cuckservatives genannt, worauf weitern unten zurückzukommen sein wird. Betamänner sehen sich selbst als Eingeborene des Internets – digital natives – deren kulturelle Subsistenz von obigen Akteur_innen kolonialistisch bedroht wird.4

Was haben nun diese Bubis, Trolls, Gamer und Geeks mit dem Nexus «sexuelle Belästigung» zu tun? Warum ist ihr Männlichkeitsproblem wichtig? Sitzen sie nicht friedlich in ihren Basements und Programmierstuben, zocken und schreiben Beiträge in dubiosen Internetplatformen? Ja, das tun sie, aber nicht nur, wie zwei Beispiele zeigen, die wir in einigen Details wiedergeben möchten:

Zum einen ist von jener Bewegung zu sprechen, die Angela Nagle in ihrer Recherche Kill All Normies als «neoreactionaries» betitelt hat. Um 2010 gründeten Silicon-Valley-Entwickler ein Diskussionsforum zur Optimierung von künstlichen Intelligenzen (lesswrong.com).5 Mission des Forums war es, Gedankenexperimente ohne soziale Konventionen zu formulieren, in der Annahme, dass nur durch solch schrankenloses Thesenbilden eine denkende Software, also Künstliche Intelligenz, verbessert werden könne. Im Ergebnis wurde eine Denkathletik entwickelt, die nicht vor angewandter Eugenik, Versklavung von Frauen als Gebärmaschinen oder faschistischen Szenarien haltmachte 6 – das alles unter der Maxime eines rationalen Zu-Ende-Denkens technologischer Machbarkeit und kapitalistischer Attraktivität. Protagonisten dieser Bewegung (Curtis Yarvin, Nick Land) fungieren heute als intellektuelles Fundament der Alt-Right und genießen Sympathien von Silicon-Valley-Größen wie Peter Thiel (Paypal-Gründer). Die Denkstrukturen dieser Bewegung beruhen auf der Fetischisierung der männlichen Ratio, gepaart mit einem an Oswald Spengler, Friedrich Nietzsche und Otto Weininger geschulten Ekel vor gesellschaftlichem Konsens, Egalitarismus und den Regeln der Demokratie. Interessiert an Verschwörungstheorien gehen die neoreactionaries von einer global operierenden feministisch-liberalen Gedankenpolizei aus, der sie durch gezielten Tabubruch und freigaloppierende Rationalität entgegentreten wollen.

Wenn die neoreactionaries gewissermaßen das aristokratische Freikorps der Internet-Rechten darstellen, dann ist die gamergate-Bewegung die straßenkampftaugliche SA. Unter gamergate firmiert der erste Kulturkampf des Internets, der 2014 weiblichen Mitgliedern und Kritiker_innen der Videospieleszene unzählige Vergewaltigungs- und Morddrohungen, Jobverlust und Hate Mails einbrachte. Die Auslöser und Fronten des gamergate-Shitstorms sind zu kleinteilig, um hier wiedergegeben zu werden. Die resultierenden Narrative zensorischer «feminazis» und unterdrückter Nerd-Männlichkeiten sind es nicht: die Gamer-Bewegung sieht sich als notwendiger Aufstand gegen die Kolonisierung des Biotops «Videospiel» durch politisch korrekte social justice warriors. Die feministische Kritik an antiquierten Gender Politics in Videospielen, vorgebracht von z. B. Anita Sarkeesian7 oder Blogs wie RockPaperShotgun, lasen die Betamänner als corporate brainwashing und Entmündigung durch eine gleichgeschaltete Medienöffentlichkeit. Ein wahrer Webkrieg war die Folge und griff auf andere Geek-Kulturen über, wie jüngst auf die um Diversity bemühten Hugo-Awards. Das Strategiearsenal der gamergater (Trolling, Prank, Hacking) wurde weiter von der Alt-Right beerbt8 , ebenso wie die Personen: derzeitige rechte, anti-feministische und nationalistische Wortführer wie Milo Yiannopoulous (ex-Breitbart) und Sargon of Akkad (Carl Benjamin) erwarben ihre Meriten im Gamergate-Kontext.

Welche Momente sind diesen Bewegungen, die um das Stichwort «Re-Souveränisierung des weißen Mannes» kreisen, gemeinsam? Und was haben sie mit der zur Zeit debattierten Kultur der sexuellen Belästigung von Celebrity-Amerika zu tun? Versuchen wir die Gemeinsamkeiten ex negativo herauszuschälen:

1. Antifeminismus: Die angesprochenen Splittergruppen greifen insbesondere den Feminismus an, gedacht als quasi-faschistische und zensorische Bedrohung von free speech. Die derzeitige Metoo-Debatte nehmen sie daher nur dahingehend auf, dass Mann nun noch weniger sagen oder tun darf. Die Personalverluste des Alpha-Patriarchats interessieren sie weniger – denn als «sexual loosers»9 hatten sie schon immer mit Neid auf die Alphamänner geschaut – als der Diskurs um harassment, dessen Breite ihnen als weiterer Beweis feministischer Verschwörung dient. Als Gegenstrategie setzen sie nicht die Ehrenrettung von Figuren wie Weinstein, sondern die Manipulation des Diskurses an sich durch Provokation und Diskreditierung aller antisexistischen Positionen.

2. Die zweite Gemeinsamkeit ist der implizite Rassismus dieser Gruppen, der sich zunächst als Anti-Antirassismus artikuliert. So vertreten nicht alle gamergater oder neoreaktionären Kräfte explizit Positionen des «White Nationalism». Wohl aber sehen sie in Rassismusvorwürfen dieselbe Gedankenpolizei am Werk, die dem weißen männlichen Subjekt die diskursive Souveränität aberkennen will. Gegenüber den rassistischen Provokationen eines David Duke (Ex-KKK-Führer)10 oder Richard Spencer herrscht unter den Betas daher eine Art Mitnahmementalität: entweder wird deren Befund einer drohenden Minorisierung weißer Männer durch Feministinnen und People of Color direkt übernommen oder man kauft den Provokationsgehalt solcher Aussagen ein, ironisiert aber die Aussage selbst. So geschehen in einer rezenten, von rechten 4chan-Gruppen koordinierten Aktion, bei der Plakate auf zahlreichen liberal campuses auftauchten: «It's ok to be white», war darauf zu lesen. Empörung war die Folge, das Troll-Manöver gegen die PC-Polizei gelungen.11

Deutlicher tritt die Rassismus-Antifeminismus-Verbindung zu Tage, wenn wir ein auf 4chan lanciertes Schimpfwort betrachten, mit dem die Betas und Neurechten den traditionell-republikanischen Mann betiteln: Cuckservative ist ein Portmanteau aus «cuckold»und «conservative», und spielt damit auf das gleichnamige Pornogenre an, in dem weiße Männer ihre Frauen sexuell an schwarze Männer überantworten, um dem Akt zuzuschauen.12 Als cuckservatives bezeichnen die Betas nun jene Republikaner, die Kompromisse in Einwanderungs- und Terrorpolitik eingehen, und somit – so die rechte Sichtweise – die amerikanische Frau den «wilden Horden» und sich selbst der hilflosen Entmachtung überlassen. Wichtig ist bei diesen Diskursspielen, dass der misogyne Kern des Projekts Betamännlichkeit unangetastet bleibt: die Re-Souveränisierung der weißen Männer bedingt zugleich Feminismusabwehr und Kontrolle der Regeln des Frauentauschs. Das Heer nun anklagender, aber zugleich sexuell objektivierter Frauen ist für die Betas so ein doppelter Gewinn: #Metoo beweist für sie nicht nur die zunehmende Macht feministischer Gleichschaltung, sondern auch, dass die Systeme zur weiblichen Objektivierung weiterhin in weißer Männerhand liegen.

Warum den Betas Aufmerksamkeit schenken? Ihre ‹rationalen› Argumentationen gegen Demokratie, Frauenrechte oder Antirassismus sind ermüdend und langweilig, ihre Witze und Memes unlustig und obskur, ihre Interventionen dämlich bis verfassungswidrig. Was gewinnen wir, wenn wir reddit.com/r/the_donald und MGTOW.com studieren, die ätzenden Kommentare auf jezebel.com, kotaku.com oder die Insiderwitzchen auf Twitch Chat lesen?

Wir wollen darauf hinweisen, dass es (nicht nur im Netz) eine breite Front von reaktionären Männlichkeiten gibt, die sich nicht ohne weiteres unter dem Stichwort des Hegemonialen oder eines erfolgreichen Patriarchats verhandeln lässt und die von der Outing-Welle gegenüber sexueller Belästigung nicht nur unangetastet bleiben, sondern im Gegenteil daraus strategischen Profit generieren. Diese sind online-savvy, geübt in Medienmanipulation und Minderheitenrhetorik und zutiefst überzeugt, dass nur Provokation und Militanz gegen die Mainstream-Verblendung helfen. Matt Lees hat daher gewarnt, dass nun mit anderen Gegnern und Strategien zu rechnen ist: gezielte Tabubrüche, Drohungen, erfundene Argumente und Figuren, Trolling, Wortspielereien – kurz, die Waffen einer Diskursguerilla.13 Deren Prinzip besteht nicht darin, durch Argumentation zu überzeugen (Nationalismus ist besser, Feminismus ist doof), sondern Klima und Affekt der Diskussion so zu bestimmen, dass sie selbst als Opfer und die moderierenden Kräfte als Zensoren dastehen.

Das Betamännchen-Phänomen ist nun bei weitem keine angloamerikanische Besonderheit. Es ist auch bei den europäischen Rechtspopulisten vertreten. Bei Teilen der AfD bekommen wir derzeit einen Vorgeschmack davon, was es heißt, wenn die Gesten der Betamännchen auf der politischen Bühne stehen: Björn Höckes Tirade gegen das «Denkmal der Schande» bedeutete zwar seine politische Disqualifikation als Neofaschist. Der bleibende Effekt des kalkulierten Tabubruchs ist allerdings ein anderer: Höcke gilt als die Figur, die gegen Tabus anrennt und sich gegen jene diskursive Entmannung wehrt, die seine Anhänger überall lauern sehen. Bei einem Auftritt in Erfurt 2015 sagte er: «Das große Problem ist, dass Deutschland, dass Europa ihre Männlichkeit verloren haben. Ich sage: Wir müssen unsere Männlichkeit wiederentdecken. Denn nur, wenn wir unsere Männlichkeit wiederentdecken, werden wir mannhaft!».14 Solange sich der Sprecher als Dissident geriert und Sprechverbote ignoriert, ist der Inhalt rechter Argumentation egal: Gegen die Empörungsautomatismen und notwendigen Differenzierungen steht Höcke in heldenhafter Pose da. Er überzeugt zwar niemanden, der oder die zuvor anderer Meinung war – für die sich marginalisiert fühlenden Betas wird er jedoch ein begehrenswertes Idol.

Der Ethos des rechten Tabubruchs ist also tatsächlich ein Eros: Provokationen sind sexuelle Gesten und der Betamann gewinnt an revolutionärer Erotik, je mehr Diskursgrenzen er mannhaft verletzen kann. War die alte Rechte am beleidigten «Das wird man ja wohl noch sagen dürfen» erkennbar, fährt die neue Rechte die veränderte Rhetorik der Diskurspornografie: «Wir sagen und zeigen das jetzt endlich».

Eine Ableitung aus diesem Befund ist, dass der gegenwärtige Rechtsruck auch eine sexuelle Revolution sein möchte. Dem Feminismus ging es immer zugleich um ein «Denken des Sex» und einen «denkenden Sex», um an Gayle Rubins Wortspiel ihres berühmten Aufsatz «Thinking Sex» zu erinnern, der die Queer Theory mitbegründete.15 Der White Male Backlash, das beta uprising, in dem derzeit Misogynie, Antifeminismus und Rassismus eine unheilige Mesalliance eingehen, setzt dagegen auf die Sexualisierung des Diskursiven selbst. Die neurechte Strategie ist, Politik wie Pornografie zu betreiben: alles zeigen, alles sagen, solange es Aufmerksamkeit erregt und die vermeintlichen Zensor_innen irritiert. Sie erzeugen dabei Onanisten, Voyeure und sexuelle Vorturner. Frauen sind in diesem Universum Material, an dem männliche Dominanz dargestellt wird.

Hier kommen wir zu einer Schnittstelle zwischen der weitgehend (aber nicht mehr nur) virtuellen Selbstbefriedigung der Beta-Pornografen und den real nötigenden, grabschenden und manchmal vergewaltigenden Politikern, Film- und Fernsehmogulen. Diesen Alphas wird zur Zeit durch Schamumkehrung – von den Frauen auf die Belästiger – patriarchale Ermächtigung aus der Hand geschlagen, die sie durch physisch konkrete aber heimliche Beherrschung von Frauen erwirtschafteten (wie nachhaltig der Sieg ist, muss sich noch erweisen). Dagegen nutzen die Betamännchen – wenig beachtet von kritischem Publikum aber durchaus netzöffentlich – Vergewaltigungsphantasien, slutshaming und eine pornografische Vorstellungswelt als dog whistle um neue Mannen für ihre Alt-Right-Projekte zu sammeln.

Wir sollten uns nichts vormachen. Der Kampf gegen sexuelle Belästigung ist keineswegs gewonnen. Und falls es zu einem kulturellen Paradigmenwechsel gekommen sein sollte, spielt er sich lediglich in der Sphäre einer liberalen Öffentlichkeit ab, die sich in ihren Informationen auf Printmedien und Fernsehjournalismus verlässt. Natürlich ist es wunderbar, dass immer mehr US-amerikanische Frauen sich der Sklavenmoral, die sie bisher ohne Stimme gelassen hatte, entwinden. Aber es nicht zu übersehen, dass es sich um einen glücklichen Betriebsunfall handelt, der damit zu tun hat, dass mit dem ersten Mann im Staate, dem Präsidenten, jemand im gleißenden Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit steht, der ein geständiger Frauenbelästiger ist. 

Und hier landen wir bei Donald Trump. Dieser steht nämlich den Betas näher als den Alphamännern. In Trump haben die Betamännchen weniger ihren politischen Repräsentanten gefunden als ihr perfektes Maskottchen. Trump ist selbst eher Sohnemann (reich durch Erbe) als Patriarch, kein Konservativer sondern Opportunist und diskursiv gibt er den perfekten Troll des politischen Establishments. Er ist Beta-Politiker, der ein Minus an Macht, Habitus und Intelligenz durch Dreistigkeit und Provokation wettmacht. Für die Betamännchen ist Trump einer der ihren, der einen 4chan-würdigen Prank am politischen System durchführt.

Aber auch wenn die derzeitige amerikanische Kampagne gegen Serien-Vergewaltiger und -Belästiger endlich ihr Hauptziel – «The Orange Troll»16 – zu Fall bringen sollte, so bleibt es fraglich, ob die im Schatten des Populismus erwirtschaftete Ermächtigung der Betas zurückgenommen werden kann. Trumps toxische Mischung aus weißem Nationalismus, Sexismus und zynischem Umgang mit der Aufmerksamkeitsökonomie postmoderner Demokratien hat die Betas und ihre Strategien grundlegend legitimiert. Die hier skizzierten Phänomene sind aus unserer Sicht eher Vorboten als Scheitelpunkt einer Beta-Welle, die auf uns zurollt. Um sie zu brechen, bedarf es neuer Strategien.

Auf Tabubrüche mit liberaler Empörungskultur zu antworten, hat sich nicht nur als unwirksam, sondern sogar als Gratiswerbung für die andere Seite erwiesen. ‹Love them to death›, ist sicherlich eine gute Strategie, aber nicht jede_r ist zu einem solchen Affektprogramm in der Lage. Zum Ignorieren sind sie zu wichtig, zum Verbieten zu amorph. Wir sind für Kastrieren, natürlich nicht physisch, sondern publizistisch, an den Wahlurnen und wo man sonst so geht und steht. Beta ist eine Beschreibung, die nur Sinn macht, wenn es andere Buchstaben gibt. Diversifizieren und Re-Arrangieren wir das Alphabet. Sperren wir die Weinsteins und Trumps in einen Alpha-Käfig und kreieren wir Omega-Universum von Anderen, indem alle Geschlechter und Farben willkommen sind. Beim Women’s March hat’s geklappt, bei den Wahlen in Virginia, wo ein Haufen Außenseiter_innen die Trump-Basis erfolgreich überrannt hat, ebenso17 und zuletzt haben die afroamerikanischen Frauen von Alabama, die zu 95% ihrer Wählerinnengruppe den republikanischen Teenagerverderber und Senatskandidat Roy Moore in die verdiente Wüste geschickt18 . Ein Wahlspruch, der vermehrt in der so genannten resistence scene auftaucht19 , hat uns sehr eingeleuchtet: «It’s chaos be kind». Die wichtigste Strategie bleibt außerdem: kein Sex mit Nazis, auch nicht diskursiv!

PS: Liste der Vorwürfe von sexueller Belästigung gegen Donald Trump, Süddeutsche Zeitung, 25.12.2017: Eine verstörende Liste

Bevorzugte Zitationsweise

Dietze, Gabriele; Strick, Simon: Der Aufstand der Betamännchen. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft, ZfM Online, GAAAP_ The Blog, 18. Dezember 2017, https://zfmedienwissenschaft.de/online/der-aufstand-der-betamaennchen.

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