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GAAAP_ The Blog

Unangenehm werden

Eine Sammelbesprechung von Kim Possters Essay «Männlichkeit verraten! Über das Elend der ‹Kritischen Männlichkeit› und eine Alternative zum heutigen Profeminismus» (2023) und Herbert Grönemeyers Lied «Männer» (1984)

16.10.2023

 

Nicht umsonst heißt es ja Ge-schlecht. Es geht schlecht! Ja, ginge es gut, hieße es Ge-gut. Aber es geht nicht gut. Es geht schlecht. Und zusammen geht es noch viel schlechter – Ge-schlechter, nicht?1

Widerstand gegen Gewalt braucht sowohl praktisches Handeln als auch Theorie, also ein Verständnis davon, zu welchem Zweck sie verübt wird, warum sie verübt werden kann, von wem, an wem. An einem widerständigen Verständnis von Gewalt arbeitet unter anderen seit Jahrzehnten die feministische Bewegung und Forschung. Sie hat vielfältige, auch miteinander streitende Theorien zur Gewalt im Geschlechterverhältnis (geschlechtsspezifische, geschlechterbasierte, patriarchale Gewalt, Männergewalt, Gewalt gegen Frauen – you name it) entwickelt und diskutiert. Auch Kim Posster stellt in seinem sehr lesenswerten Essay Männlichkeit verraten! Über das Elend der «Kritischen Männlichkeit» und eine Alternative zum heutigen Profeminismus (Berlin: Neofelis 2023) eine Analyse und Theorie vor, die Gewalt im Geschlechterverhältnis – genauer: im kapitalistischen Patriarchat – behandelt. Er stellt sich auf die Schultern feministischer Forscher*innen sowie Aktivist*innen und positioniert sich zugleich mit ihnen gegen Ansätze, die er als profeministische kritische Männlichkeit erfasst. Ich werde Possters Buch hier gesammelt mit Grönemeyers Hit «Männer» rezensieren, weil keine deutsche Autor*in über Männer schreiben kann, ohne sofort einen Ohrwurm zu haben, der hier ganz automatisch die nächste Überschrift diktiert. Und, weil es tatsächlich interessant ist, die Kritiken an Männlichkeit, die sowohl Grönemeyer als auch Posster formulieren, miteinander zu vergleichen. Das Eingangszitat von Evje van Dampen, der von Hape Kerkeling erfundenen niederländischen Beziehungsratgeberin mit dem fiktiven Bestseller Liebe ist Arbeit! Arbeit! Arbeit! ist als  Teaser zu verstehen: Was als Geschlechterverhältnis verschlagwortet wird, die Beziehung von Mann-und-Frau™, sie geht schlecht. Evje van Dampen ist auch ein Teaser dafür, dass sich dieser Text einem ernsten Thema mit den Techniken des Humors annähern will (ich hoffe, ich verspreche nicht zu viel).2Das schlechte Verhältnis ist jedenfalls Geschlecht als Subjektkategorie inhärent (sonst hieße es ja Gegut). Dabei könnte alles viel besser sein. In Aussicht steht, dazu will jedenfalls Posster mit seinem Essay beitragen, ein gemeinsamer feministischer Kampf, die Entwicklung antipatriarchalen Begehrens, die Auflösung vergeschlechtlichter Herrschaftsverhältnisse. Das geht nicht mit Versöhnung, sondern nur mit Verrat.
 

Wann ist der Mann ein Mann? Und wann ist der Mann ein Tätersubjekt?


Männer kaufen Frauen / Männer stehen ständig unter Strom / Männer baggern wie blöde / Männer lügen am Telefon / Oh Männer sind allzeit bereit / Männer bestechen durch ihr Geld und Ihre Lässigkeit / Männer haben's schwer, nehmen′s leicht, / Außen hart und innen ganz weich/ Werd'n als Kind schon auf Mann geeicht / Wann ist der Mann ein Mann? düdüdüüdü etc.3

 
Herbert Grönemeyer besingt in einem seiner besten Hits (meet me singing at the Karaoke-Bar) von 1984 ironisch-liebevoll «Männer». Was sie tun, was ihnen widerfährt und wie sie so sind. Grönemeyers Song, der zuletzt prominent von ihm gemeinsam mit dem kritischen Mann Jan Böhmermann in Bochum performt wurde,4 ist eine gesanglich-lyrische und profeministische Auseinandersetzung mit der Fragestellung: «Wann ist der Mann ein Mann?» Possters Essay ist eine queerfeministische, antikapitalistische Antwort auf dieselbe Frage, gepaart mit der Handlungsanweisung, Männlichkeit zum konkreten, politischen Problem zu machen.5 Während Posster sich dezidiert mit der deutschen linken Szene befasst und (cis und trans) männliche Genossen kritisiert, die vorgeblich ein profeministisch-antisexistisches Selbstverständnis haben und trotzdem kein ernstzunehmender Teil des feministischen Kampfes sind, geht es Grönemeyer um alle Männer, denen großteils nicht einmal ein Lippenbekenntnis zum Feminismus nachgesagt werden kann. Der Anspruch, den Posster an Männlichkeitskritik stellt, ist ungleich höher. Posster geht‘s um antipatriarchale Solidarität, nicht um den freundlichen Hinweis darauf, dass Männer «auch Menschen» sind, denen das Patriarchat leider nicht nur Gutes tut, wenn es sie «schon als Kind auf Mann []eicht» (Grönemeyer, Strophe 5 und Refrain). Posster befasst sich für seine Kritik weder mit «Männern» als vielseitige Individuen mit unterschiedlichen Eigenschaften und Biographien noch mit stereotypen Vorstellungen von Männlichkeiten – also nicht mit den Klischees, die Grönemeyer besingt. Statt um die männliche Identität, geht es Posster um Männlichkeit als im Patriarchat geformte Subjektivität. Was heißt das?


Geht schlecht: Männlichkeit im bürgerlichen Geschlechterverhältnis


Posster bestimmt Männlichkeit (erstens) als Verhältnis, «das die Einzelnen im Patriarchat zu sich selbst, anderen und der Welt einnehmen».6 In diesem Verhältnis wird (zweitens) Männlichkeit grundsätzlich als machtvollere und überlegene Position hergestellt und zwar auf Kosten der (drittens) Abspaltung und Abwehr von Weiblichkeit, die als Subjektivität freilich selbst genauso Produkt, aber unterworfene Form desselben Verhältnisses ist. Das Ganze geschieht nicht freiwillig oder gar natürlich qua Veranlagung (Gene, Hormone, Talente, Eigenschaften). Alle Menschen in einer bestimmten Gesellschaft betrifft der Zwang eine gesellschaftlich anerkannte Form anzunehmen, um «gültige Menschen genau dieser Gesellschaftsform zu sein»,7 bloß kann dies nicht allen gelingen, weil die Gültigkeit der Einen mit dem Ausschluss, also der Ungültigkeit oder zumindest zugeschriebenen Mangelhaftigkeit der Anderen erkauft ist.

 

 

Posster argumentiert diese Subjekttheorie mit marxistisch-materialistischer, queerfeministischer und sozialpsychologischer Theorie. Vergeschlechtlichung wird in diesem Theoriegebäude in erster Linie als das bürgerlich-kapitalistische Produkt von Arbeitsteilung aufgefasst.8 Der autonome Staatsbürger und Warenbesitzer ist ein männlich gedachtes Subjekt, dessen Arbeitskraft im Privaten von der fürsorglichen (Ehe)Frau-Mutter-Oma-(Kranken)Schwester wieder hergestellt wird. Posster überführt die derzeit gängige profeministische Unterscheidung von toxischer, gewaltvoller, kritikwürdiger vs. rettbarer, gesunder, guter Männlichkeit ihrer Kraftlosigkeit in Bezug auf die weiterhin notwendige Zerschlagung des kapitalistischen Patriarchats. Mit Bezugnahme auf Christina Thürmer-Rohr betont Posster, «dass die Frage nach den guten Elementen eines sozialen Geschlechts immer schon falsch gestellt ist, weil sie von den Voraussetzungen und Notwendigkeiten absieht, in denen die Eigenschaften entstanden sind und gelebt werden».9 Menschliche Züge wie Durchsetzungskraft und Fürsorglichkeit oder Teamfähigkeit und Bitchiness, sind nicht an sich männlich oder weiblich und auch nicht einfach so Teil menschlicher Eigenschaften und Kompetenzen. Sie bilden sich «erst in einer patriarchalen Arbeitsteilung»10 – als «historische Geschlechtskrankheiten», um es mit Thürmer-Rohr zu sagen. Im kapitalistischen Patriarchat kann keine gute, ungiftige Männlichkeit entstehen, denn sie wird immer den Herrschaftsanspruch über Weiblichkeit reproduzieren.
Es ist ganz offensichtlich, dass dieses Herrschaftsverhältnis auch unabhängig von konkreten Geschlechtskörpern hergestellt und ausgehandelt werden kann:  You don’t need a penis to act like a dick. «Abseits von direkter Männerherrschaft unterliegen alle Geschlechter der Tendenz, Männlichkeit zumindest in gewissen Aspekten anzustreben und so Macht (über andere) zu erlangen.»11 Es ist also wichtig, Männlichkeit auch an Nicht-Männern, zum Beispiel nicht-binären trans Personen, zu kritisieren. Eine Kritik, die jedoch «mit Bedacht anzuwenden»12 ist. Posster unterscheidet konkrete Männlichkeiten voneinander, ohne mit einer Konstruktion von unschuldig-untoxischer (queerer) Männlichkeit irgendwen gänzlich von der Verstrickung in die patriarchalen Machtverhältnisse freizusprechen:13
«selbstverständlich lebt ein cisgeschlechtlicher Burschenschaftler eine sehr andere Männlichkeit als ein linksradikaler trans Mann. Sie haben also nicht die gleiche Männlichkeit, sie sind und bleiben aber dennoch beide Männer; Männer, die auf besondere Weise mit Männlichkeit identifiziert sind und deren individuelle Männlichkeit am allgemeinen patriarchalen Begriff von Männlichkeit gebildet wurde.»14 
Weitere Dimensionen, die Subjektivierungsprozesse im kapitalistischen Patriarchat zwingend anleiten, bleiben in Possters Buch eine Nebenbemerkung. Er nennt Rassismus als eine von mehreren «Ideologien der besonderen Ungleichheit», die im Kontext der Herstellung des gültigen, machtvollen männlichen Subjektes prinzipielle Ausschlüsse verwalten.15 Der «volle[] rechtliche[] und soziale[] Status als Mensch»16 wird nicht allein weiblichen oder unmännlichen Subjekten vorenthalten. Insofern Possters Fokus auf der Dimension Geschlecht (und Kapitalismus) liegt, kann er hier besonders in die Tiefe gehen. Eine Einordnung der Funktion von Weißsein in der ganzen Angelegenheit wäre erkenntnisreich, gerade auch für eine produktive Kritik an Dynamiken der deutschen linke Szene. Weiterdenken ist, so will ich hier sehr schlau und Arbeitsaufträge erteilend anmerken, angeraten.Ich sehe eine große Stärke in Possters Essay dort, wo er sich mit Täterschaft und Täterschutz auseinandersetzt und komme damit zu Punkt zwei: Wann ist der Mann ein Tätersubjekt?

 
Souveränitätsphantasma, Misogynie und Rape Culture


Für seine Theorie von Männergewalt fokussiert Posster auf einen bestimmten Mechanismus der männlichen Subjektkonstitution: jenen der Abspaltung und Angst vor «Verweiblichung». Er argumentiert hierbei mit sozialpsychologischer Theorie (besonders nach Rolf Pohl), die derzeit von einigen, deutschen linken Feminist*innen (z. B. Veronika Kracher, Jeja Klein, Bilke Schnibbe) aufgegriffen wird.
Der Mann ist nur dann ein Mann, wenn er Unmännliches an sich abspaltet und Nicht-Männliches (Weibliches) von sich fernhält.17 Die Abwehr geschieht deshalb, weil kein ernstzunehmendes Subjekt im kapitalistischen Patriarchat eine «Pussy» sein darf: ein schwaches, ‹weinerliches› Individuum, das auf Nähe, Fürsorge, Trost und Hilfe angewiesen ist, das sich nicht durchsetzen oder wehren kann. Diese classic Abwertung einer so konstruierten Weiblichkeit im Verbund mit Opferfeindlichkeit dient der Instandhaltung des Souveränitätsphantasmas männlicher Autonomie, das den Subjektstatus versichert. Im Souveränitätsphantasma spiegelt sich wiederum die bürgerlich-kapitalistische Trennung von öffentlich und privat: Die kapitalistische Produktion verleugnet ihre notwendige Voraussetzung – jene Arbeit, die im Privaten die menschlichen Abhängigkeiten und Unsouveränitäten versorgt –, um sie nicht bezahlen zu müssen (es geht schließlich um Profit und nicht um das gute Leben für alle). Die unsichtbare und unbezahlte weibliche Arbeit ‹aus Liebe›, ermöglicht neben Profiten zugleich das Phantasma der männlichen Souveränität: «einer Subjektivität, die so tut, als ob Mann wirklich komplett selbstbestimmt und unabhängig wäre.»18 Das Problem damit ist Folgendes: Wer menschliche Fürsorge ganz notwendig braucht, das aber auf keinen Fall zeigen darf, es sogar vor sich selbst verleugnet, der muss erstens Leute im Privaten unterwerfen, um sich deren Sorgetätigkeit anzueignen und der fühlt sich zweitens von all jenen bedroht, die ihn (!) daran erinnern, dass die eigene Souveränität, um es im Fachjargon auszudrücken, phantasmatischer Bullshit ist.
Auf den Bullshit spielt Grönemeyer in seinem Song an, wenn er Stereotype der Härte und Softness miteinander abwechselt und humorvoll über männliche Insuffizienzen singt: «Männer kriegen keine Kinder / Männer kriegen dünnes Haar» (Strophe 5). Männliche Souveränitätsphantasmen zeigen sich jedoch nicht nur durch lustig-erbärmliche Versuche, die Halbglatze mit windigen Resthaarverschiebungen zu verdecken,19 sondern ziemlich unlustig und grundsätzlich in der «(aggressive[n]) Verleugnung der eigenen Verwiesenheit auf andere».20 Dies verstrickt, so Posster, die männliche Subjektkonstitution aufs Engste mit Täterschaft. Hier kommt also die konkrete patriarchale Gewalt ins Spiel und komme ich endlich zur Analyse der oben zitierten zweiten Strophe aus dem «Männer»-Song.
Grönemeyer verweist in flockig reimender Melodik auf die männliche Verstrickung mit einer gewaltvollen Bezugnahme auf Frauen bzw. auf jene, die als weiblich identifiziert werden: Misogyne Gewalt betrifft, so betont Posster in einer wichtigen, den grassierenden TERF-Diskurs aushebelnden Fußnote, nicht allein cis Frauen, denn «[f]ür männliche Gewalt ist zentral, was die (potenziellen) Täter als weiblich imaginieren und identifizieren, nicht was [auch immer] Weiblichkeit ist.»21 Im Sinne einer geschlechter-dekonstruktivistischen Gewaltforschung will ich hier weiter argumentieren, dass misogyne Gewalt Weiblichkeit herstellt, als entweder nützliches oder zu strafendes, unbedingt zu kontrollierendes Anderes der männlichen Subjektivität.
Zurück zur Musik. Die Liedzeile «Männer kaufen Frauen» ist ein augenzwinkernder Hinweis auf eine illegale Form der Sexarbeit, denn Menschen können, selbst im Kapitalismus, nicht legal gekauft werden. Bei Sexarbeit wird eine Dienstleistung verkauft, ob das auf okaye Weise gehen kann oder nicht, will ich hier aus Platzgründen nicht diskutieren.22 Aus Perspektive vor allem des Zweite-Welle-Feminismus könnte der Satz zusätzlich ein Hint auf die Ehe und die ihr historisch zugrundeliegende Besitzlogik sein. Der cis Mann ‹kauft› sich (s)eine private Fürsorgearbeiterin (Ehefrau), für die er ‹das Geld› verdient. Beides impliziert ökonomische und sexuelle Verfügungsgewalt gegenüber frauisierten Personen, deren Entmündigung und sexualisierte Ausbeutung. Auch der dritte Satz, «Männer baggern wie blöde» verweist auf Gewalt, zumindest dann, wenn man das nachsichtige Lächeln sein lässt und den mit-swingenden Subtext liest: «Blöde» im Sinne von ignorant; «blöde» im Sinne von das «Nein» einer Person nicht verstehen; «blöde» im Sinne von unangenehm und ungewollt.
Das Lied von Grönemeyer schafft es zwar, die Ambivalenz, die aus dem männlichen Souveränitätsphantasma entsteht – das «ständig unter Strom»-Stehen, das heimliche Weinen, das «außen hart und innen [versteckt, nur im Privaten] ganz weich»-Sein – zu besingen (Strophe 2, 1 und Refrain). Es macht sich schon über das Klischee absolut hart-souveräner Männlichkeit lustig, aber ohne dabei für Männer richtig unangenehm bzw. zu einem Verrat an der Männlichkeit zu werden.23 Denn dem Lied ist eine mitfühlende Nachsicht für Männer eigen, die letztlich auch darunter leiden, «schon als Kind auf Mann geeicht» zu werden (Refrain). Diese Nachsicht ist allerdings nach Posster, der stattdessen für feministische Wut plädiert, absolut fehlgeleitet. Er betont die Notwendigkeit, Männer mit ihrer Verstrickung in Täterschaft zu konfrontieren.
Der Mann, der Frauen «blöde» anbaggert, ist nicht lustig-blöd wie Hein Blöd oder Goofy. Blödes Baggern ist im besten Fall Ausdruck herrschaftlicher Ignoranz der frauisierten Person gegenüber, deren Wille und Subjektstatus geleugnet, deren persönliche Grenzen missachtet und angegraben (pun intended) werden; im schlechteren Fall ist es von unbewusstem, im schlechtesten, von bewusstem Unterwerfungsinteresse geleitet. Respektlosigkeit gegenüber Frauen beim Flirt ist nicht blöd, kein dusseliges Versehen, keine unvermeidliche männliche Insuffizienz wie «dünnes Haar» oder «Herzinfarkt» (Grönemeyer Strophe 5 und 3). Aus dem patriarchalen Souveränitätsphantasma, das den Subjektstatus garantiert und deshalb unbedingt aufrechterhalten werden muss, ergibt sich der «männliche Wunsch, (weiblich identifizierte) Andere nicht als eigenständige Gegenüber anerkennen zu müssen».24 Nochmal: Wer braucht und will, was gleichzeitig den eigenen Subjektstatus gefährdet (Frauen-Fürsorge-Sex), lebt in einer ziemlich unerträglichen Ambivalenz, die, psychoanalytisch argumentiert, ins Unbewusste abgespalten werden muss und deshalb zu projektivem Hass auf jene führt, die einen mit der abgespaltenen Schwäche und Abhängigkeit konfrontieren. Jene Frauen, die sich nicht unterwerfen, die «Nein» sagen, die dem Anspruch auf Verfügbarkeit ihre eigene Subjektivität entgegensetzen, wirken deshalb bedrohlich (sie manifestieren einen Kontrollverlust) und müssen ‹notfalls› aktiv unterworfen werden.25 Das ist Misogynie und ein Grund dafür, warum so viele und hauptsächlich Männer sexuelle-sexualisierte Gewalttaten begehen. Die gewaltvolle Bezugnahme auf Frauen ist konstitutiver Teil der männlichen Subjektivität. Sofern die beschriebene subjektkonstituierende Logik gesellschaftlich akzeptiert wird, lässt sie sich als Rape Culture bezeichnen – eine kulturelle Ordnung, die die gewaltvolle Bezugnahme auf verweiblichte bzw. frauisierte26 Körper billigt, verharmlost, entschuldigt. Dieses Grundproblem wird in dem, was Posster unter der heutigen «Kritischen Männlichkeit» versteht, deren Mitgefühl für männliches Leid am Patriarchat sowie mit der Unterscheidung von toxischen und guten Männern nicht erfasst. Die von Posster beobachteten Strategien des Profeminismus sind ihm zufolge im besten Fall Symptombekämpfung, häufig verharmlosend gegenüber der Gewalt, gar eine Fortsetzung der männlichen Täterlogik. Posster macht das besonders deutlich, wenn er sich mit Flirttipps für Männer befasst, die von den ganzen feministischen Vorwürfen und Gewaltbeschuldigungen (zum Beispiel nach #MeToo) verunsichert sind.27
 


Keine Flirttipps für blöde baggernde Männer


Wer meint, Tätern könnten hilfreiche Tipps beim Flirten und Konsens-Verstehen dabei helfen, keine misogyne Gewalt auszuüben, der*die hält sexuelle-sexualisierte Gewalt für etwas grundsätzlich von den Tätern nicht gewolltes. Sie passiert Männern «irgendwie»28 – sorry ey, aber du hast ja auch nichts gesagt … Dieses ‹Verständnis› von Gewalt als eigentlich ungewolltes Versehen (sozusagen ein Auffahrunfall mit dem Bagger) entspricht, so zeigt Posster überzeugend auf, «exakt dem Selbstverständnis der meisten Täter.»29 Die Grenzverletzung ist ihm ‹irgendwie› passiert, so wie es ‹irgendwie› in größeren Männergruppen zu misogynem-homophobem Gelaber ‹kommt›, es ‹irgendwie› passiert ist, dass man(n) die Partner*in zum Sex gedrängt hat, sie einschüchtert, ständig unterbricht etc.30 «Keine Ahnung» von den eigenen Verstrickungen in Täterschaft, von Misogynie und Rape Culture zu haben, ist jedoch «wesentlicher Ausdruck dieser Tätersubjektivität».31 Diese Ahnungslosigkeit ist eine glückselige, herrschaftliche Ignoranz.32 Es stabilisiert das Patriarchat, wenn die Herabwürdigung und unerträgliche Respektlosigkeit des männlichen Täterverhaltens nicht benannt und konfrontiert werden, sondern stattdessen ein blöd-harmloses Männersubjekt imaginiert wird, das bloß nicht ‹verstanden› hat, wie man(n) angenehm flirtet, wie man(n) sein Gegenüber als Subjekt ernst nimmt.33 In der Machbarkeitsphantasie der verständnisvollen Tipps sowie der sorgenden Hinwendung zur männlichen Kränkung und Bedürftigkeit stecken, so Possters spannende These, tiefe Resignation:


Die Ahnung der Abgründe, die hinter dem fehlenden Verhältnis von (hetero cis) Männern zu (ihrer) Täterschaft warten, die Angst vor den Konsequenzen, die man daraus eigentlich ziehen müsste, und das Wissen darum, welche enormen emotionalen, zeitlichen und weiteren Kosten eine*n dann höchst wahrscheinlich erwarten, werden so verleugnet und positiv umgedeutet.34


Mit Alisa Kessel und Lauren Berlant lässt sich das, was Posster «Resignation» nennt, auch als «The Cruel Optimism of Consent»35 verstehen. Der grausam optimistische Glaube daran, dass Täter*innen das «Nein» nur nicht verstanden haben; oder, dass Opfer (frauisierte Menschen) nur lernen müssten, richtig «Nein» zu sagen; dass Richter*innen glauben werden, dass ein «Nein» erkennbar kommuniziert wurde … An diesem Glauben festzuhalten macht zwar Hoffnung, verfehlt aber das Problem, mit dem wir es nach Posster zu tun haben: Eine patriarchale Subjektkonstitution, die das weibliche Gegenüber prinzipiell nicht als Subjekt anerkennt, wird auch dessen Widerstand für nicht erkennbar halten.
Wenn «demonstrative Positivität»,36 Nachsicht und grausamer Optimismus losgelassen werden, was bleibt dann?


How to change: widerständige statt verständnisvolle Strategien gegen Gewalt


Im profeministischen Diskurs zirkuliert die Idee, man müsse den Männern nur ihre Angst und Bedrohungsgefühle nehmen, um auch sie für den Feminismus zu gewinnen – wir hassen Männer nicht, wir greifen sie nicht an, wir sehen sie selbst als Opfer des Patriarchats und wollen ihnen helfen. Es ist jedoch, so Posster, «eine der vornehmlichsten Aufgaben des Feminismus», die diffuse männliche Angst vor «feministischer Macht und Autonomie […] wahr werden zu lassen.»37
Possters Essay ist eine flammende und berechtigte Kritik an so etwas wie Kuschel-Pädagogik, die (cis) Männer eben nicht, wie behauptet, da abholt, wo sie sind, sondern ihnen ermöglicht, sich auf ihre eigenen Verletzungen zurückzuziehen und sich so gegen feministische Kritik zu immunisieren. In einer Gegenüberstellung der Arbeit einer männlichkeitskritischen Gruppe mit der feministischen Arbeit von frauisierten Betroffenen männlicher Gewalt verdeutlicht Posster seinen Standpunkt. Die von ihm beschriebene kritische Männergruppe
«sprach bei ihrem ersten Treffen nicht über männliche Gewalt, sondern über ihren Zugang zu Gefühlen und die allgemeine Bedeutung des Patriarchats für die anwesenden cis Männer. Zeitgleich wurden auf der begleitenden Demo gegen männliche Gewalt Erfahrungsberichte von Vergewaltigungen durch ihre Geschlechtsgenossen teilweise unter Tränen verlesen.»38
 
An dieser Stelle lässt sich mit dem berühmten Margaret Atwood-Zitat anschließen, das eine ähnlich krasse Gegenüberstellung von Kränkung und manifester Gewalterfahrung leistet: «Men are afraid that women will laugh at them. Women are afraid that men will kill them.»
Auch männlichkeitskritische Männer bleiben zu oft mit ihrer patriarchalen Ignoranz verhaftet und können sich so als «die Guten» re-souveränisieren. Offensiv performte Verletzlichkeit kann darüber hinaus eine strukturelle Täterschutz- bzw. eine konkrete Täterstrategie sein, um sich der Verantwortung für verletzendes Handeln zu entziehen.39 Aus dieser Perspektive wird die Liedzeile «oh Männer sind so verletzlich» aus dem «Männer»-Refrain gleichermaßen zum zweifellos richtigen Eingeständnis von Schwäche und zum manifesten Schutzschild gegen Verantwortung. Der Sprechakt, sich Verletzlichkeit einzugestehen, wird zum Appell, ihm (weibliche) Fürsorge und Mitgefühl zuzugestehen. Wenn Verletzlichkeitsbekundungen der Mobilisierung von Sorgearbeit in die eigene Richtung dienen, ist dies keine Patriarchatskritik, sondern stabilisiert das männliche Subjekt, dessen Wohlbefinden erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. In Grönemeyers Song reimt sich diese Selbst-Souveränisierung sogar auf die Verletzlichkeitsphrase: «Oh Männer sind so verletzlich / Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich» (Strophe 1 und 5).
Die Konstruktionen von Unschuld – die gute Männlichkeit, die Verletzlichkeit («Rumopfern»)40 und Ignoranz – werden von Posster aufgezeigt und ausgehebelt. Statt der Sorge um, soll es Probleme für die Männlichkeit geben.41 Die verständnisvolle Hinwendung zum Tätersubjekt Mann («Männer sind auch Menschen» und «etwas sonderbar» (Grönemeyer, Strophe 5)) ist demnach keine sinnvolle Strategie, um Gewalt zu bekämpfen oder zu verstehen. Es geht, wie ich es in der Einleitung bezeichnet habe, um ein widerständiges Verständnis von Männlichkeit und von Gewalt. Die Frage, wie die transfeindliche Version des beschriebenen Gewaltverständnisses zu suspendieren ist, nämlich die Konstruktion einer bedrohlichen Männlichkeit ‹in› der genderqueeren oder trans Person, könnte noch ausführlicher bearbeitet werden. Hier ließe sich genauer nachfassen: Wie funktioniert diese Produktion eines männlichen Subjektes genau? Welche Prozesse, die außerhalb des Subjektes, seiner psychischen Konstitution und seines Willens liegen, produzieren diese katastrophalen Geschlechterverhältnisse? Zum Beispiel können die Queer Media Studies hier weitere Aspekte, die mit Sozialpsychologie und materialistisch-feministischer Theorie nicht ausreichend erfasst sind, mit einbeziehen: Medien, Diskurse, Technologien.42
An dieser Stelle möchte ich noch auf eine Leerstelle hinweisen, die häufiger in linken Arbeiten zu sexueller-sexualisierter Gewalt auftritt: Kinder und Jugendliche als Betroffenengruppe.43 Ich denke nicht, dass es sich um eine produktive Ausblendung handelt, also eine Stelle, die aus dem Blick fallen muss, um anderes erkennbar zu machen. Ich vermute, dass es sich oft um ein Zurückschrecken handelt oder ein ‹irgendwie› entlastendes Ignorieren. Die Gewaltform der (sexualisierten) Kindesmisshandlung, die von Täter*innen aller Geschlechter verübt wird, fügt sich nicht in eine Patriarchatskritik, die davon ausgeht, dass patriarchale Gewalt ausschließlich von cis Männern an cis Frauen verübt wird.44 Possters materialistisch-queerfeministische Auseinandersetzung mit Tätersubjektivität liefert hier also einen wichtigen Ansatz. Die gewaltvolle, manipulative und sexualisierte Bezugnahme auf Schwächere ist ein Produkt des Souveränitätsphantasmas, an dem sich alle Subjekte im kapitalistischen Patriarchat formen und abarbeiten. Das Besitz- und Anspruchsdenken patriarchaler Subjektivität bezieht sich auch, gerade im Kontext innerfamiliärer Gewalt, auf (‹die eigenen›) Kinder. Sie sind dem Hass auf Schwäche und Abhängigkeit sowie der daraus resultierenden (sexualisierten) Verfügungsgewalt über ihre Körper besonders ungeschützt ausgeliefert.45
Ich komme zur oben gestellten Frage, was uns bleibt, wenn wir keine hoffnungsvoll-optimistische Sorge für gekränkt-verletzliche Männlichkeit leisten wollen. Welche Affekte dienen feministischer Mobilisierung in Possters Sinne?
Statt mitfühlendem Verständnis (das übrigens kombiniert mit Allmachtsfantasien als Teil weiblicher Subjektkonstitution beschrieben wird),46 Machbarkeitsoptimismus und Verharmlosung,  schlägt Posster in seiner  Alternative zum heutigen Profeminismus Fassungslosigkeit, Widerstand, Wut und Konsequenzen vor. Er will die damit einhergehenden Handlungen aber weder als «pädagogische Maßnahmen noch moralistische Richtersprüche»47 verstanden wissen. Er verwehrt sich einer Konstruktion böser (Männer-)Menschen, die «für ihre Sünden bestraf[t werden] sollen».48 Die moralistischen Schuldgefühle einiger Männer, die sich feministische Kritik zu Herzen nehmen, stehen seines Erachtens selbst wiederum im Zeichen individualistischer Immunisierung.49 Posster begreift «Konfrontation, Sanktionen und Ausschlüsse»50 als notwendige Mittel zur Durchsetzung eines geteilten, feministischen Standpunktes und damit einer Gemeinschaft, die überhaupt erst damit beginnen kann, sich von patriarchaler Herrschaft zu befreien. Ob das nun wiederum selbst eine souveräne Machbarkeitsfantasie ist, die statt einer Pädagogik der Sorge eine der Härte in Stellung bringt, ist meines Erachtens eine Frage der konkreten Auslegung dieses Ansatzes. Dabei scheint mir wichtig, hier noch einmal darauf hinzuweisen, dass der individuelle Mensch nicht mit seiner patriarchalen Subjektivität in eins fällt. Posster beschreibt keine Menschen, sondern schreibt eine Theorie der männlichen Subjektkonstitution. Keine Theorie ist umfassend genug, um die ganzen (oder vielmehr krisenhaften, beschädigten, schuldbewussten, komplizierten, liebesbedürftigen und Liebe entlockenden)51 Individuen vollständig zu begreifen. Das heißt, by all critique I must say: Männer sind wirklich auch Menschen.
 
Kleiner Scherz.
 
Wem hier extra und betont Menschlichkeit zugesprochen werden muss, sollte nach der Beschreibung misogyner Gewalt und Rape Culture eigentlich klar sein: den Anderen, den Queers, den Frauen, den Kranken, den Kindern, den unsouveränen Versager*innen und Verräter*innen der Männlichkeit. (Wer sich nicht mitgemeint fühlt, kann dies als Einladung verstehen, zum*zur Verräter*in zu werden.)  
 
Nachsatz.


Das ist alles ganz schön anstrengend und traurig. Was meines Erachtens an Grönemeyers «Männer»-Lied so fein ist – der Witz, der beschwingte Upbeat, das Versöhnliche – geht da ein bisschen verloren. Auf affektiver Ebene sind bei Posster besonders Wut und Frust im Angebot. Dem Thema absolut angemessen, aber auf Dauer etwas einseitig und deprimierend. Deshalb ein Vorschlag: Vielleicht fühlt sich ja wer angesprochen und könnte aus Possters Essay ein aktualisiertes, queerfeministisches, antipatriarchales, deutsches Comedy-Programm machen? Oder mich gerne sehr großzügig für ein solches Projekt finanzieren – ich hätte Lust. Stichworte lieferte die oben bereits zitierte Evje van Dampen: «Liebe ist Arbeit Arbeit Arbeit», es ist «so eine beschissene Situation», aber «wir kriege es hin, wir kriege es hin».

 

  • 1Hape Kerkeling - Evje van Dampen «Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit», Youtube, 19.10.2012,  https://www.youtube.com/watch?v=O9x2oDFrzbM Minute 07:31–07:49 (18.8. 2023).
  • 2Shout out an Denice Bourbon in Wien, die den politically correct comedy club PCCC* organisiert, an Bilke Schnibbe mit ihrer leider abgesetzten Kolumne «Geh Bitte!» in der ak, an Hannah Gadsby, an Thomas Schmale, an Lydia Kray – an all die lustigen Queerfeminists! I could go on and on but I couldn’t go on without you.
  • 3Herbert Grönemeyer – Männer 1984, Youtube, 10.1.2014, https://www.youtube.com/watch?v=_IZsxfo8ITw (11.9.2023).
  • 4Herbert Grönemeyer & Jan Böhmermann - Männer (Live mit dem RTO Ehrenfeld), Youtube, 30.1.2023, https://www.youtube.com/watch?v=Y9ULUTZx92c (2.9.2023).
  • 5Kim Posster: Männlichkeit Verraten!, Berlin vgl. S. 82.
  • 6Posster, S. 18.
  • 7Ebd.
  • 8Possters Referenzen für das Verhältnis von Geschlecht und bürgerlichem Kapitalismus sind hier vor allem Julian Heß, Karina Korecky und Andrea Truman.
  • 9Posster, S. 35.
  • 10Ebd. S. 36.
  • 11Ebd. S. 21.
  • 12Ebd. S. 28.
  • 13Vgl. ebd. S. 20–21.
  • 14Ebd. S. 18.
  • 15Vgl. ebd. S. 20.
  • 16Ebd.
  • 17Vgl. ebd. S. 23.
  • 18Ebd. S. 22–23.
  • 19Dazu ganz lustig: ZDF Magazin Royale: Männer mit Haarausfall: Deutschlands unterdrückteste Minderheit, Youtube, 31.3.2023,, https://www.youtube.com/watch?v=UbJo1X3RdA8 (28.8.2023).
  • 20Posster, S. 61.
  • 21Ebd. Fußnote 95.
  • 22Ich kann hier nicht in gebührender Ausführlichkeit die Diskussion um die Un/Möglichkeit, selbstbestimmt Sexarbeiter*in zu sein, aufmachen. Mein Standpunkt ist, dass die Illegalisierung von Sexarbeit den so kriminalisierten Arbeiter*innen nicht hilft, sondern schadet. Dass im Kontext von Sexarbeit und Pornoindustrie geschlechterbasierte Gewalt verübt wird, ist jedoch keinesfalls zu leugnen. Zu beobachten ist meines Erachtens derzeit eine problematische Verquickung von antiqueerfeministischen und anti-Sexarbeits-Standpunkten in der Konstruktion eines einheitlichen Subjekts Frau, das gegen deviante, schlechte Sexualität und für ein sehr spezifisches Schutzkonzept einstehen muss, bzw. das schützenswerte Subjekt verkörpern muss. Dieses Frauen-Subjekt ähnelt in unguter Weise den Weiblichkeits-Entwürfen konservativer Sittlichkeitsordnung. Zur Diskussion im deutschsprachigen Raum vgl. u. a. Elisabeth Holzleithner: Grenzziehungen Pornographie, Recht und Moral, Wien 2000; Michael Bader: PorNo! Radikalfeministische Positionen gegen Pornographie, in: Anja Schmidt (Hg.), Pornographie. Im Blickwinkel der feministischen Bewegungen, der Porn Studies, der Medienforschung und des Rechts, Baden-Baden 2016, S. 11–34; sowie aus demselben Band Ekaterina Nazarova: PorYES! Strömungen der sexpositiven Frauenbewegung, S. 35–60.
  • 23So beschrieb der Spiegel 1984: «Halb Satire, halb Eloge, teils Men's Lib, teils Chauvi-Restauration, scheint der Song den Nerv aller (emanzipationsgeschädigten?) Männer getroffen zu haben. Das ist parodistisch und klingt doch trotzig, das demonstriert Einsicht und zugleich Nachsicht mit den eigenen Defiziten.» Zitiert in
    Julia Bähr, Andrea Diener, Fridtjof Küchemann: Wie gut kennen Sie «Männer»?, in: FAZ.net,  12.4.2016, https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pop/pop-dossier-zu-herbert-groenemeyers-maenner-14169667.html, (31.8.2023).
  • 24Posster, S. 68.
  • 25Vgl. ebd. S. 62, S. 64–65.
  • 26Zum Begriff «Frauisieren» vgl. Lann Hornscheidt, Lio Oppenländer: Exit Gender. Gender loslassen und strukturelle Gewalt benennen: eigene Wahrnehmung und soziale Realität verändern, Berlin 2019, S. 326 ff.
  • 27Vgl. ebd. S. 69, 79–81.
  • 28Vgl. ebd. S. 69.
  • 29Ebd. S. 69.
  • 30Dem lässt sich auch die im Kontext von Opferschutzarbeit etablierte Gewaltdefinition nach Hagemann-White entgegensetzen: «Gewalt ist eine Handlung, für die Menschen verantwortlich zu machen sind, und die meisten Täter sind durchaus zurechnungsfähig: Sie können sich entscheiden. Sie entscheiden sich dann zur Gewalt, wenn sie glauben, ein Recht darauf zu haben; wenn sie glauben, damit Ansprüche geltend zu machen, die ihnen auch nach Auffassung ihrer Bekannte [sic.] und Nachbarn zustehen.» Carol Hagemann-White: Strategien gegen Gewalt im Geschlechterverhältnis. Bestandsanalyse und Perspektiven, Pfaffenweiler 1992, S. 13.
  • 31Posster, S. 66.
  • 32Vgl. ebd. S. 12.
  • 33Zur Thematik der juristischen Aberkennung weiblicher Subjektivität im Kontext sexueller-sexualisierter Gewalt lohnt sich, trotz der erfolgreichen Sexualstrafrechtsreform von 2016, ein Blick in die Fallstudie des bff – Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe. Achtung major Trigger Warnung! Katja Grieger u. a.: «Was Ihnen widerfahren ist, ist in Deutschland nicht strafbar» Fallanalyse zu bestehenden Schutzlücken in der Anwendung des deutschen Sexualstrafrechts bezüglich erwachsener Betroffener, 2019,  https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/aktionen-themen/kampagnen/vergewaltigung-verurteilen/fallanalyse-zu-schutzluecken-im-sexualstrafrecht.html (22.8.2023).
  • 34Posster, S. 79.
  • 35Alisa Kessel: The Cruel Optimism of Sexual Consent, in: Contemporary Political Theory, 19, Nr. 3, 2019, S. 359–380.
  • 36Posster, S. 80.
  • 37Ebd. S. 81.
  • 38Posster, S. 94–95.
  • 39Vgl. Lundy Bancrofts Beschreibung des Tätertyps «Das arme Opfer» (S. 94–97) und «Der Einfühlsame» (S. 86-89), Lundy Bancroft: Warum tut er das? Einblicke in die Gedankenwelt von aggressiven und kontrollsüchtigen Männern, Kandern 2021.
  • 40Posster, S. 70.
  • 41Vgl. ebd. S. 82.
  • 42Nur drei Referenzen hierzu: Angela Koch: Ir/reversible Bilder. Zur Visualisierung und Medialisierung von sexueller Gewalt, Berlin 2015; Jack Halberstam: Das Brandon-Teena-Archiv, in: Kathrin Peters, Andrea Seier (Hg.): Gender & Medien-Reader, Zürich, Berlin 2016, S. 195–212;  Kaja Silverman: Dem Blickregime begegnen, in: Christian Kravagna (Hg.), Privileg Blick. Kritik der visuellen Kultur, Berlin 1997, S. 41–64.
  • 43Diese Beobachtung verdanke ich einem Gespräch mit Lydia Kray, die mich diesbezüglich auf folgenden Text hingewiesen hat: Judith Neubauer: Aspekte des Scheiterns von Täter*innenarbeit: in: Tauwetter e.V. (Hg.), Reader gegen sexuelle Gewalt, Berlin 2022, https://www.tauwetter.de/images/phocadownload/pdf/2023/2023%20Tauwetter%20Reader.pdf, S. 109–114, hier S. 112 Fußnote 92.
  • 44Vgl. die Arbeit von Melanie Boyd: Troubling Innocence: Convention and Transgression in Feminist Narratives of Incest, Michigan 2003. Boyd befasst sich mit den teils zensierend wirkenden theoretischen Ansätzen feministischer Arbeit in Bezug auf sexualisierte Kindesmisshandlung innerhalb der Familie. Diese Ansätze konnten ihr zufolge häufig ausschließlich Väter oder andere cis männliche Verwandte, nicht jedoch Mütter als Täter*innen denken.
  • 45«Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist das sicherste Verbrechen, das man begehen kann. Das muss sich ändern.» erklärt Kerstin Claus, die amtierende Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs UBSKM im Podcast EinbisZwei. Der Podcast über sexuelle Gewalt, Folge 27, https://beauftragte-missbrauch.de/mediathek/podcast-einbiszwei/folge-27-mit-kerstin-claus (1.8.2023).
  • 46Vgl. Posster, S. 77–78.
  • 47Ebd. S. 88.
  • 48Ebd.
  • 49Vgl. ebd. S. 47–51.
  • 50Ebd., S. 88.
  • 51Vgl. Eve Kosofsky Sedgwick: Paranoides Lesen und reparatives Lesen oder paranoid, wie Sie sind, glauben Sie wahrscheinlich, dieser Essay handle von Ihnen, in: Angelika Baier u. a. (Hg.), Affekt und Geschlecht. Eine einführende Antologie, Wien 2014, S. 355–400, hier S. 375. An dieser Stelle noch ein kurzer Hinweis auf die bald erscheinende Dissertation meines Kollegen Stefan Schweigler, in der ich diese schöne Referenz wieder-entdeckt habe. Schweigler: Vom Homemaking zum Worldbuilding, Wien unveröffentlicht.

Bevorzugte Zitationsweise

Haitz, Louise: Unangenehm werden. Eine Sammelbesprechung von Kim Possters Essay «Männlichkeit verraten! Über das Elend der ‹Kritischen Männlichkeit› und eine Alternative zum heutigen Profeminismus» (2023) und Herbert Grönemeyers Lied «Männer» (1984). In: Zeitschrift für Medienwissenschaft, ZfM Online, GAAAP_ The Blog, , https://zfmedienwissenschaft.de/online/unangenehm-werden.

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