Was kostet es, in der Wissenschaft zu arbeiten?
Abstract (Deutsch)
Im April 2024 startete die Kommission für gute Arbeit in der Medienwissenschaft eine Umfrage zu privaten Kosten wissenschaftlicher Arbeit. 34 anonyme Berichte dokumentieren finanzielle, psychische und physische Belastungen durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Zentrale Kostenfaktoren sind befristete Teilzeitverträge, Umzüge und Pendeln zwischen Hochschulstandorten, Konferenzteilnahmen ohne Kostenerstattungen sowie fehlende Arbeitsmittel und Publikationskosten. Zugang und Verbleib in der Wissenschaft hängen oft von privater Unterstützung ab. So reproduziert das Wissenschaftssystem Ausgrenzungserfahrungen in den Bereichen soziale Ungleichheit, Klassismus und Rassismus. Das lässt Stimmen verstummen, die zur Vollständigkeit eines wissenschaftlichen Diskurses dringend nötig wären.
Nachtrag: Dieser von den Sprecher*innen der Kommission für gute Arbeit in der Wissenschaft gemeinschaftlich verfasste Text ist Michaela Wünsch gewidmet, die an der Arbeit der Kommission, und so auch an diesem Beitrag, entscheidend mitgewirkt hat. Sie zählte seit vielen Jahren zu den Sprecher*innen der Kommission für gute Arbeit und ist kurz vor Erscheinen des Heftes zu unserer großen Bestürzung verstorben. Der Nachruf, den der GfM-Vorstand gemeinsam mit der Kommission verfasst hat, findet sich hier.
Abstract (English)
In April 2024, the Good Work Commission (Kommission für gute Arbeit), which is part of the German Society for Media Studies (Gesellschaft für Medienwissenschaft), sent out a survey to the society’s members about the private costs of working in academia. 34 anonymous participants’ responses document the financial, psychological, and physical burdens caused by precarious employment conditions. Key factors include fixed-term part-time contracts, moving and commuting between university locations, lack of reimbursements for conference participation and publication costs, and a shortage of work equipment. Whether one has access to the academic world and is able to remain there often depends on private support structures. Thereby, the current academic system reproduces mechanisms of exclusion in terms of social inequality, classism, and racism. It silences voices that are crucially needed for the integrity of academic discourses.
Bevorzugte Zitationsweise:
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