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Flüssige Epistemologien

Welchen Beitrag können medienwissenschaftliche Perspektiven auf den liquid turn leisten? Und wie können sich umgekehrt die Medienwissenschaft und ihre methodischen Verfahrensweisen durch ein Denken mit Wasser selbst kritisch befragen? In Auseinandersetzungen mit Gewässern und Ozeanen wird eine Vielzahl von Diskursen über Ökologie, Klimagerechtigkeit, Extraktivismus, Hydrofeminismus und Relationalität zusammengeführt, die für die Medienwissenschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Perspektivverschiebung vom Trockenen zum Flüssigen wirft dabei epistemische, methodische, ästhetische und politische Fragen auf: Welche Herausforderungen stellen flüssige Epistemologien, insofern sie sich terrestrischen, auf festem Grund entwickelten Medien- und Wissensparadigmen widersetzen? Inwiefern werden sie zugleich allererst durch diese Paradigmen wahrnehmbar?

Vor diesem Hintergrund gewinnen sowohl Analysen zur infrastrukturellen Erschließung und Mediatisierung von Gewässern – etwa durch Skalierung, Modellierung, remote sensing und Verdatung – als auch medienphilosophische und milieuspezifische Ansätze an Bedeutung, die aus (queer-)feministischer und kritisch-posthumanistischer Perspektive eine Rekalibrierung anthropozentrisch geprägter Medientechnologien vornehmen. Darüber hinaus weisen flüssige Epistemologien ästhetische Dimensionen des Wässrigen, Ozeanischen und Fluiden auf, die koloniale sowie gewaltgeschichtliche Verflechtungen sichtbar machen. Wie könnte eine kritische medienwissenschaftliche Perspektive auf flüssige Epistemologien aussehen, die Wasser nicht als natürliche, ahistorische Ressource, sondern als relationales Gefüge versteht?

Redaktion: Marie Aline Klinger, Alisa Kronberger, Julia Schade