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Jedes Heft hat ein Schwerpunktthema, das von Gastredakteur_innen konzipiert und betreut wird. Die eingereichten Aufsätze durchlaufen ein Peer-Review-Verfahren. Vorschläge für Schwerpunktthemen sind jederzeit an die Redaktion möglich. Hinweise zu Einreichungen finden Sie in unseren Submission Guidelines.

ZfM 18: April 2018
Heftvorschau

Medienökonomien

Die Theorietradition der Medienwissenschaft ist auf vielfältige Weise von Fragen der Ökonomie durchwirkt: Unterschiedliche Argumentationsfiguren der Medientheorie verbindet die Vorstellung, dass wirtschaftliches Handeln und ökonomische Strukturen die Lage mitbestimmen, in die Medien uns versetzen. Die kritische Theorie sieht in den wirtschaftlichen Strukturen der Kulturindustrie ein System zur Standardisierung kultureller Produkte und einer damit verbundenen Entwertung angelegt. Die Cultural Studies reagierten auf die damit verbundene Ausweglosigkeit mit der Betonung des kritischen Potentials in der Populärkultur, das sie gegen die ökonomischen Macht- und Gesetzmäßigkeiten in Anschlag bringen. Die Filmwissenschaft beschäftigt sich mit experimentellen, avantgardistischen Formen, bei denen nur geringe ökonomische Zwänge vermutet werden. Aus einer historischen Perspektive sind technische Medien wiederum eng mit der Kriegswirtschaft verbunden, einer Phase erhöhter staatlicher Investitionen in die Rüstungsindustrie und einem in diesem Zusammenhang beobachtbaren Spillover medientechnischer Innovationen. Die Bereitstellung von Kapital, so die implizite «economies of scale»-Argumentation, treibt die Medienentwicklung voran und mündet in einen grundlegenden Medienverbund, der die Bedingungen gesellschaftlicher Existenz prägt.

Ausgehend von diesen sehr unterschiedlichen Argumentationsfiguren hat sich in den letzten Jahren eine explizitere Hinwendung zu ökonomischen Fragestellungen etabliert. Medien treten als konstitutive Faktoren von Wirtschaftsordnungen und damit auch in ihrer epistemologischen Dimension in Erscheinung. Film- und Mediengeschichte fragen zunehmend nach wirtschaftlichen Prozessen und arbeiten an einer als Mediengeschichte verstandenen Wissens- und Unternehmensgeschichte. In der Wirtschaftssoziologie, der Wirtschaftsgeschichte und der Kulturanthropologie treten die kulturtechnischen Faktoren der Mechanisierung, Automatisierung und Digitalisierung ins Blickfeld. Die Kulturökonomik verhandelt die Frage, ob der Markt für Informationsgüter und die digitalen Netzwerke nach der Entwicklung neuer ökonomischer Modelle verlangen.

Ähnlich wie seit geraumer Zeit die Wissenschaftsgeschichte zu einem produktiven Feld für die Medientheorie und -geschichte geworden ist, scheinen nun auch die wissens-historisch angelegte Wirtschaftsgeschichte, die Wirtschaftswissenschaften und die Sozial- und Organisationstheorie zu einem solchen neuen vielversprechenden Pol zu werden. In diesen Zusammenhängen entwickelten sich neue interdisziplinäre Perspektiven auf Medienökonomien, mit denen es zunehmend gelingt, bislang unterbelichtete epistemologische Strukturen und Handlungszusammenhänge in den Blick zu nehmen, etwa die Rolle protokollunterstützter Konsenssuche bei internationalen Verhandlungen über Staatsschulden, den Einfluss rechnergestützter Extrapolationen auf Statistik, Prognostik und Modelle, oder die Rolle von Medientechniken für die Etablierung und Veränderung von Märkten, beispielsweise die Funktion des Elektrozählers in Strommärkten, die Rolle des Börsentickers oder des Finanzanalysten für die Finanzmärkte. Zu diesem Themenspektrum zählt nicht zuletzt auch die Relevanz von Medien im Bereich des Organisationshandelns, etwa in der Bürokratie des Sozialstaats oder von Großunternehmen. Informations- und Kommunikationstechnologie fungiert dort als Infrastruktur, standardisiert und prozessiert Daten, setzt diese in visuelle Oberflächen um, etwa in der Form von «decision environments» wie «Chart rooms» bei der Steuerung von Großunternehmen, der Simulation volatiler Absatzmärkte oder bei der Beratung von Unternehmen und staatlichen Behörden. Medienökonomien stellen sich so weniger als nebensächlich in Bezug zur Technik, zur Kultur oder zum Sozialen heraus, sondern erscheinen als eine epistemologische Bedingung, die sich neben grundsätzliche mediale Kategorien wie dem «Übertragen», «Speichern» und «Prozessieren» einordnen lässt.

Der Themenschwerpunkt «Medienökonomien» will eine Kartografie dieses Forschungsfeldes leisten, das sich derzeit aus der Hinwendung zur Erforschung des Zusammenhangs von Medien und Ökonomie entwickelt. Das Heft widmet sich dem heuristischen Potenzial einer Verschränkung von medienwissenschaftlichen mit wirtschaftswissenschaftlichen, wirtschaftssoziologischen, organisationstheoretischen und wirtschaftshistorischen Ansätzen. Im Mittelpunkt steht dabei die historische und systematische Frage, welchen epistemologischen Stellenwert «Medien» für eine Wirtschaftsordnung einnehmen.

Zur Sprache kommen sollen insbesondere die folgenden Aspekte:

– Forschungsfelder zwischen Mediengeschichte und Wirtschaftsgeschichte (Geschichte des Wachstums, der Verschuldung, der Effizienz, der Prognose, informeller Märkte etc.) und Unternehmensgeschichte (Geschichte der Unternehmung als Organisation, als Adresse von Innovation, als Treiber von Medienentwicklung im Rahmen von Management, Marketing etc.)

– Medientheorie und Wirtschaftstheorie (Epistemologische Perspektiven auf die Geschichte wirtschaftstheoretischer Ordnungsvorstellungen und Modellierungen)

– Medienwissenschaft und Medienökonomik bzw. Kulturökonomik (Medien-theoretische Grundlagen der ökonomischen Analyse in Märkten für Informations-güter – «social network markets», kulturelle Innovation durch «Informationsspiralen»)

– Zur ökonomischen Modellierung und Struktur digitaler Netzwerkmärkte (Verfahren algorithmischer Verdatung, «over the top»-Distribution, alternative und informelle Märkte, Strategien der Risikominimierung etc.)

– Medien- und Kulturtechniken des Ökonomischen (wie etwa Buchhaltung, Protokolle, Visualisierungen und Narrative, Modelle, Standardisierungen)

 

Redaktion: Monika Dommann, Vinzenz Hediger, Florian Hoof

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ZfM 19 – Faktizitäten, erscheint im Okt. 2018
Call for Papers

Faktizitäten

«Fakten, Fakten, Fakten – und immer an die Leser denken!» Der Slogan, mit dem seinerzeit das Nachrichtenmagazin FOCUS lanciert wurde, gewinnt dieser Tage neue Aktualität: Meinungsge(t)witter sozialer Medien evozieren eine Renaissance des Qualitätsjournalismus. Science Marches proklamieren evidenzbasierte Erkenntnis. Und philosophische Arrièregardes predigen die Rückkehr zu erkenntnisunabhängigen Tatsachen.

Jenseits eines Erstaunens über die Selbstverständlichkeit und Positivität, mit denen derartige Realitätsanker Halt in einer von Truthiness-Sturmen erschutterten Welt- und Wissensordnung versprechen, möchte der Themenschwerpunkt erkunden, wie mediale Prozesse an der Produktion von Faktizität beteiligt sind. Mit dem Begriff der Faktizitäten werden – uber die von Heidegger oder Habermas geprägte Begriffsgeschichte hinaus – aktuelle mediale Praktiken, Techniken, Politiken und Ästhetiken und deren Schnittstellen in den Blick genommen, die an der Produktion, Dekonstruktion oder Transformation von Fakten mitwirken. Wie werden in epistemologischer oder politischer Hinsicht im Anschluss an (un)gesicherte Lagen ‹Fakten geschaffen›? Inwiefern verschwimmen in den faktischen Outputs medientechnischer und -praktischer Verfahren die Unterscheidungslinien zwischen Virtuellem und Materiellem? Und wie wirken mediale Weisen des Informationsdesigns und der Ästhetisierung von Daten an der Verfestigung von Faktizität mit? Der Schwerpunkt hinterfragt somit das Verhältnis von Medialität und Faktizität und unterzieht den gegenwärtigen Diskurs um das ‹Postfaktische› einer Reihe von Einzelanalysen.

Redaktion des Schwerpunkts: Eva Schauerte, Sebastian Vehlken

Texteinreichungen werden bis 15.2.2018 erbeten an redaktion@zfmedienwissenschaft.de

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Texteinreichungen bis Mitte Februar 2018
ZfM 19 – Klasse, erscheint im Okt. 2018
Call for Papers

Klasse

Sowohl die Objekte der Medienwissenschaft als auch die Herkünfte der Forschenden tragen einen Klassen-Marker. Was für race und gender zunehmend erprobt ist – Analysekriterien für mediale Artefakte, für Produktions- und Rezeptionsformen, für epistemologische Strukturierungen bis hin zu Möglichkeitsbedingungen der Wissensproduktion –, steht für die Kategorie der class zur Diskussion.

Wie sieht die gegenwärtige De-/Artikulation von «Klasse» im Kontext der Medienwissenschaft aus? Welche Effekte hat das Anliegen, Klassifizierungen entgehen zu wollen, für den Zusammenhang von class und Medien? Welche Anregungen und Optionen ergeben sich für ihre Methoden und Gegenstände? Generiert die Bezugnahme auf Medienkunst oder Gender Studies, auf Kulturgeschichte oder Cultural Studies unterschiedliches kulturelles Kapital wie bei der Beschäftigung mit «Unterschichten-» oder «Quality-TV»? War die Medienwissenschaft nicht mit dem Ziel angetreten, die Unterscheidungen von Hoch- und Populärkultur zu problematisieren? Was gehört zum Klassenhabitus der Medienwissenschaft, welche Kritikformen sind passabel und welche passieren nicht? Wie könnte eine Aktualisierung der Klassenfrage gelingen, die der Dethematisierung sozialer Klassifizierungen etwas entgegensetzt, ohne die Unterscheidung von Haupt- und Nebenwidersprüchen zu erneuern?

Redaktion des Schwerpunkts: Ulrike Bergermann, Andrea Seier

Texteinreichungen werden bis 15.2.2018 erbeten an redaktion@zfmedienwissenschaft.de

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Texteinreichungen bis Mitte Februar 2018