Situiertes Wissen und regionale Epistemologie

Situiertes Wissen und regionale Epistemologie

Zur Aktualität Georges Canguilhems und Donna J. Haraways

Astrid Deuber-Mankowsky, Christoph F.E. Holzhey (Hg.), Situiertes Wissen und regionale Epistemologie. Zur Aktualität Georges Canguilhems und Donna J. Haraways, Wien/Berlin (Turia + Kant) 2013

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Der vorliegende Band, dem 2011 eine Tagung am ICI Berlin (Institute for Cultural Inquiry) zum Thema «Situiertes Wissen und regionale Epistemologie» vorausging, schließt an ein im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren zunehmendes Interesse an den Schriften und Theorien Georges Canguilhems an.1 Die spezifische Aktualität, die der Band im Untertitel für das Denken Georges Canguilhems und Donna Haraways proklamiert, besteht dabei nicht zuletzt in der epochalen Brisanz von immer ausgreifenderen technowissenschaftlichen Herausforderungen an Begriffe des Lebendigen, des Lebens und des Technischen, zu deren Reflexion beide DenkerInnen etwas beizutragen haben. In der ausführlichen Einleitung wird zudem die Aufmerksamkeit auf Georges Canguilhems (1904-1995) technikphilosophische Schriften gelenkt, die ihn für die Medienwissenschaften unmittelbar anschlussfähig erscheinen lassen.

Dass die Frage nach der Technik bei Canguilhem und Haraway auch die Frage nach der Überschreitung anthropozentrischer Perspektiven und einer «Politik des Lebens» (S. 105) beinhaltet, betont vor allem Astrid Deuber-Mankowsky in ihrem Beitrag für den Band. Einen wichtigen Knotenpunkt stellt dabei das Konzept der Maschine dar, die für die Selbstverständigung anthropologischer Technikdiskurse weiterhin von grundlegender Bedeutung ist. Die unterschiedlichen Ausformulierungen dieses Konzepts in Canguilhems Studie Maschine und Organismus (1946/47)2 und Haraways Manifest für Cyborgs (1985)3 lassen sich zwar nicht einfach geschmeidig überblenden, eine doppelte Lektüre, wie sie Deuber-Mankowsky im Ansatz unternimmt, zeigt jedoch deutlich die aktuellen Schnittstellen von Techniktheorie und Anthropologie, für deren Denken das Verhältnis von Organischem und Technischem weiterhin wichtige Anstöße liefert.

Geschichtlichkeit des Wissens und partiale Perspektive

In seiner Schwerpunktsetzung auf situiertes Wissen und regionale Epistemologie kann der Band als Aufforderung für eine erweiterte Lesart sowohl von Canguilhems als auch von Haraways Arbeiten verstanden werden. Trotz unterschiedlicher Traditionslinien – US-amerikanische feministische Wissenschaftskritik auf der einen, europäische Philosophie und Wissenschaftsgeschichte auf der anderen Seite – sind es insbesondere das Feld der Biologie und die wissenschaftsgeschichtliche Frage, wie «Leben zum Objekt der Wissenschaften wird» (S. 11), die Kritik von Objektivität, das Verhältnis von Organismus und Maschine und Fragen zum Wesen der Technik, die programmatische Bezugspunkte zwischen beiden DenkerInnen liefern.

Während die Biologin und Wissenschaftshistorikerin Donna J. Haraway hierzulande vor allem als feministische Philosophin, Kritikerin der Technoscience und Cyborg-Theoretikerin diskutiert wird, ist ihr Beitrag zur Wissenschaftstheorie bislang außerhalb feministischer Debatten weit weniger bekannt. Dabei hat Haraway ihr Konzept des situierten Wissens bereits 1988 in einem gleichnamigen Aufsatz vorgestellt (Situated Knowledges: The Science Question in Feminism and the Privilege of Partial Perspective).4 Darin setzt sie Partikularität und Verkörperung gegen die Idee eines entkörperten Objektivitätsbegriffs und kritisiert die Auffassung eines abstrakten, absoluten, autonomen und allgemeingültigen Wissens. Wissenschaft wird von Haraway als eine soziale und historische Praxis verstanden, und ihre Argumente für eine partiale Perspektive und gegen das falsche Versprechen eines objektiven Blicks zeigen eine gewisse Nähe zu pragmatischen und sozialkonstruktivistischen Ansätzen der Wissenschaftskritik.

Es geht jedoch nicht allein um das Geschäft der philosophischen Wissenschaftskritik, die Grenzen von Wissensansprüchen und Objektivität aufzuzeigen. Vielmehr lässt sich Haraways Konzept des situierten Wissens als Plädoyer für ein anderes Verständnis von Objektivität verstehen, dafür, die jeweilige historische und politische Eingebundenheit wissenschaftlicher Praxen und ebenso auch die materiellen Bedingungen der Produktion von Wissen, also die beteiligten Gegenstände, Werkzeuge, Medientechnologien, Institutionen etc. mit zu bedenken.

… und regionale Epistemologie

Wie in mehreren Beiträgen des Bandes gezeigt wird, weist Haraways wissenschaftstheoretische Position mehr als nur lose Berührungspunkte mit Grundideen der regionalen Epistemologie auf. Auch die regionale Epistemologie, die sich mit der Geschichtlichkeit von wissenschaftlicher Erkenntnis und ihren räumlich und zeitlich spezifischen Bedingungen und Ausprägungen befasst, bricht mit der Idee einer allgemeingültigen und außerzeitlichen Rationalität wissenschaftlicher Erkenntnis. Sie geht vielmehr davon aus, dass Wissen und seine wissenschaftliche Produktion immer schon in Kontexte eingebettet ist und spezifischen (sozialen, historischen, medientechnischen) Bedingungen unterliegt. Während dies vor allem für gegenwärtige Wissenschaftssoziologie und -geschichte, wie sie im deutschsprachigen Raum beispielsweise prominent von Karin Knorr-Cetina und Hans-Jörg Rheinberger repräsentiert werden, einen zentralen theoretischen Bezugspunkt darstellt, ist die Verbindung zwischen Haraways Begriff des situierten Wissens zu Canguilhems Konzept der regionalen Epistemologie noch nicht entfaltet worden. Der vorliegende Band richtet die Aufmerksamkeit aber genau auf die Frage nach den Verbindungen (Korrespondenzen, Symmetrien, Differenzen, Widersprüchen) zwischen situiertem Wissen und regionaler Epistemologie.

Das Themenspektrum einzelner Beiträge reicht von der medientechnischen Sichtbarmachung lebendiger Prozesse bis zu sprachphilosophischen Problemen bei Frege und Wittgenstein; von der Bestimmung physikalischer Objektivitätsbegriffe bis zur Kritik des Anthropozentrismus. Die überwiegende Zahl der Beiträge ist sehr sorgfältig verfasst, intellektuell scharfsinnig und vielfältig anregend. Wie oft bei Sammelbänden ist trotz der Bemühungen um einen roten Faden die Spezialperspektive und Eigensinnigkeit einzelner Beiträge unverkennbar. Die zentrale programmatische Idee der Reflexion von situiertem Wissen und regionaler Epistemologie hält den Band insgesamt jedoch zusammen und eröffnet für die LeserIn ausreichend Gelegenheiten, zwischen den Beiträgen selbst interessante Bezüge herzustellen.

Orientierend und anregend im Hinblick auf die Geschichte der regionalen Epistemologie in Frankreich ist der Beitrag von Jean-François Braunstein: Braunstein verdeutlicht, dass der Begriff der regionalen Epistemologie nach dem zweiten Weltkrieg auch das Ergebnis einer allgemeinen Debatte um die Frage der Spezialisierung des Wissens ist, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich geführt wurde, und in der Gaston Bachelard den Begriff des ‹regionalen Rationalismus› aufbrachte, während George Canguilhem die Geschichtlichkeit und Regionaliät epistemologischer Formationen betonte. Eine Debatte, die nicht nur einer Historisierung der Vernunft den Weg bereitete, sondern gerade auch über die nachfolgenden Generationen im akademischen Diskurs tiefe Spuren hinterlassen hat, namentlich vermittelt durch Louis Althusser und Michel Foucault, beides aufmerksame Leser Bachelards und Canguilhems.

Françoise Balibar hebt in ihrem Beitrag an zu einer Verteidigung der wissenschaftlichen Objektivität als einem Prinzip der geteilten Sicht gleichwertiger «Beobachter» und zieht in ihrer Auseinandersetzung mit Haraway und Canguilhem eine Trennlinie, die den «Prozess der Herstellung einer wissenschaftlichen Tatsache» (S. 93) gegenüber Positionen eines radikalen Konstruktivismus abzusetzen versucht. Eine der zentralen aufgeworfenen Fragen ist dabei nicht die des Verhältnisses zwischen dem Objektivitätsanspruch wissenschaftlicher Erkenntnis und der Kontingenz sozialer Konstruktion, sondern vielmehr, historisch reflektiert, der zwischen dem Herrschaftscharakter von Objektivitätsansprüchen und den Machtfeldern, durch die jede soziale Konstruktion von ‹Wissen› beeinflusst wird. Als emeritierte Professorin der Physik argumentiert Balibar auch vor dem Hintergrund des physikalischen Objektivitätsbegriffs und damit von einem Standpunkt aus, der ihrem Vergleich zwischen den unterschiedlichen Konzepten von Objektivität bei Haraway und Canguilhem einen produktiven Abstand ermöglicht.

Mit im Vergleich zu Balibar eher anschmiegendem als distanzierendem Gestus stellt Maria Muhle in ihrem Beitrag den Lebensbegriff bei Canguilhem mit Blick auf Normativität, Normalität und Normalisierung vor. Sie zeigt nachvollziehbar Bezüge zwischen Canguilhems «Ontologie des Lebens» (S. 155) und Foucaults Untersuchungen zu Biopolitik und Gouvernementalität auf, die geradezu als Fortführung von Canguilhems Reflexionen zum Verhältnis von Leben und Normativität erscheinen; – mit der entscheidenden Verschiebung, dass Muhle zufolge bei Foucault die Biopolitik als «Imitation» der Dynamik des Lebendigen verstanden werden könne, als deren Veräußerung auf einer «machttheoretischen und -praktischen Ebene» (ebd.).

Henning Schmidgen entfaltet in seinem Beitrag weitere Facetten der Beziehung zwischen Haraways und Canguilhems Denken entlang der verschränkten Thematik von Maschine und Organismus. Dabei werden zugleich überzeugende Ansatzpunkte für das Vorgehen historischer Medienwissenschaft aufgezeigt, wenn die «Verkopplungen» (S. 64) von «Maschinenkomponenten und Organismusbestandteilen» anhand der «Schaubarkeit» eines schlagenden Herzens in den physiologischen Demonstrations- und Experimentalanordnungen des Physiologen Johann Nepomuk Czermak und anhand der Vorlesungs-Projektionstechniken des Pharmakologen Carl Jacobj im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts darstellt werden. Nicht nur die unerwartete Perspektive auf die ‹Cyborg-Geschichte› von Wissenschaftspraxis macht Schmidgens Beitrag ungemein lesenswert, sondern auch die anschauliche Zusammenführung epistemischer, medialer und wissenschaftsgeschichtlicher Aspekte in der Beschreibung der medien-historischen Konstellation physiologischer und pharmakologischer Ordnungen von Sichtbarkeit.

Die enge Beziehung zwischen Leben und Technik, die als eine der durchgehenden Berührungspunkte des Denkens von Haraway und Canguilhem immer wieder in unterschiedlichen Beiträgen betont wird, ist auch in dem Beitrag von Marie-Luise Angerer thematisch, der sich mit affektiven Medientechnologien befasst und vor dem Hintergrund eines mit Canguilhem «biologisch gefassten Medientechnologie-Begriffs» (S. 203) den Begriff der «biomedialen Schwelle» als eine Art Epochensignatur vorschlägt; als Wegmarke eines gegenwärtig sich vollziehenden Umbruchs, in dem die «zunehmend subkutan, prä-individuell und a-subjektiv» (S. 210) agierenden medientechnischen Entwicklungen als Verschiebung der Grenzlinien zwischen Technischem und Organischem interpretiert werden können. Dass dazu nicht nur Forschungsrichtungen wie die Bionic beitragen (mit der sich Canguilhem, man darf staunen, bereits Mitte der 1940er Jahre befasste), sondern auch Bio-Art und Genetic Art, mag vertraut klingen; nimmt man allerdings noch den Aufschwung von Neuroökonomie und Neuromarketing seit Ende der 1990er hinzu, gewinnen die Überlegungen zur biomedialen Schwelle und die Zeitdiagnose «einer neuen Stufe in der Verlötung von Leben und Technik» (S. 209) eine unabweisbare Plausibilität.

Politik ist Epistemologie ist Politik?

Was bei der Lektüre des Bandes zuweilen Fragezeichen hinterlassen kann, ist der wiederholt eingeforderte oder behauptete, aber nicht immer nachvollziehbare Bezug zwischen Epistemologie und Politik. Schon in der Einleitung wird ausgehend von Canguilhems und Haraways Denken die These aufgestellt, dass für beide Epistemologie als eine politische Praxis und «umgekehrt Politik als eine epistemologische Frage» (S. 18) zu verstehen sei. Diese politische Zuspitzung wird im Band allerdings nur vereinzelt deutlich markiert; insgesamt sind die Beiträge des Bandes nicht auf einen übergeordneten Begriff von Politik festlegbar. Im Gegenteil: Nicht immer ist nachvollziehbar, was mit dem Begriff ‹Politik› bezeichnet wird oder was für die Vorstellung einer vermeintlich politischen Relevanz akademischer Theoriebildung jeweils an Politik-Theorie als Bezugspunkt dienen kann und soll.

Eine in dieser Hinsicht fröhlich herausfordernde Ausnahme ist nicht zuletzt Karin Harrassers Beitrag am Ende des Bandes, in dem es gelingt, die behauptete enge Verbindung von Politik und Epistemologie anschaulich zu entfalten. Interessanterweise ist es das Medium Film, das in die Allianz eintritt, um diese Anschaulichkeit zu stützen. Es geht um Wissenspraktiken und Streitfragen, um den Status von Fakten, die Grenzen von Wahrheitsansprüchen und wie fragen, träumen oder schweigen Menschen zu Subjekten machen kann. «Um das Spektrum der Unwahrscheinlichkeiten, der Konflikte und Asymmetrien zwischen dem ganz Kleinen und dem Globalen zu ermessen, braucht es aber nicht nur die Aufwertung der nicht-menschlichen Wesen, die völlig unpolitisch und konsensuell sein kann, sondern auch den Stachel des Feminismus und des Marxismus. Die Anerkennung von Stummen und Ameisen als politischen Akteuren verdankt sich der Erkenntnis der Veränderbarkeit des Faktischen und dem Begehren nach Freilassung, diesen Glutkernen linker und feministischer Politik» (S. 257).

Mit diesen zwei Sätzen Karin Harrassers, die ein bisschen wie ein verspäteter Trommelwirbel klingen und gerne auch als Auftakt für ein neues Kapitel kritischer Theoriearbeit fungieren könnten, endet der hier besprochene Sammelband. Harrasser bringt wissenschaftstheoretische Überlegungen und Ideen Donna Haraways mit dem Konzept der Kosmopolitik Isabelle Stengers zusammen, um nach einer geteilten Idee des Politischen zu fragen, die sich nicht willkürlich, sondern notwendig mit Erkenntnistheorie, Wissensproduktion und der Autorität des vermeintlich Objektiven auseinandersetzt. Die «Situiertheit als notwendige Exponierung der Partialität jedes forschenden Blicks» (S. 242), als Kernelement des von Donna Haraway formulierten Konzepts des situierten Wissens diskutiert Harrasser nachvollziehbar anhand von Werner Herzogs Film Wo die grünen Ameisen träumen (BRD 1984), um die «Begrenzung des Geltungsbereichs abendländischer Wahrheitsansprüche aufzuzeigen» (S. 248). Diese partiale Perspektive, das ist aber entscheidend für das diesen Band prägende Verständnis von Haraways wissenschaftskritischer Theorie, heißt jedoch keinesfalls die Aufgabe von Objektivität oder von Wahrheitsansprüchen, sondern muss im Gegenteil als Aufforderung für eine reflexive, kritische und das Politische einbedenkende wissenschaftliche Arbeit angesehen werden. Eine Wissenschaft, die ihre Souveränität nicht aus dem Bündnis mit der Macht gewinnt oder in deren Schatten geduldet wird, sondern die aufmerksam dafür bleibt, dass disparate Perspektiven, Ansprüche und Interessen in die Erkenntnisproduktion mit eingehen.

Was Harrasser in der Verschränkung von Stenger und Haraway geschickt auf eine politische Problematik von Souveränität, Anerkennung, Verantwortung und Kritik zuspitzt, kann zugleich als effektive Konsequenz aus dem Projekt der historischen Epistemologie abgeleitet werden; weil die historische Situierung von Wissen die Begrenztheit und den Überschuss von Wissen – seinen phantastischen Anteil – gleichermaßen offenlegen kann. Die «Selbstbefragung der abendländischen Rationalität» (251) kann mittels unterschiedlicher Formen und aus unterschiedlichen Anlässen erfolgen. Sie ist jedoch, wie Harrasser festhält, immer wieder erneut ein Anstoß für die «Politisierung der Wissenschaft und ihrer Akteure» (251).

Macht-Wissenskomplexe

Ein empfehlenswerter Band? Ja, denn was in der Konzeption des Bandes und im Ergebnis in den Linien und Lücken gerade auch zwischen den Texten sich abzeichnet, ist im besten Sinne herausfordernd. Wissenschaftstheorie und Philosophie, Mediengeschichte und historische Epistemologie, Reflexionen zu Biomedialität und Biopolitik finden sich hier in diesem Buch versammelt wie auf einem gemeinsamen Floß, und bewegen sich mit einer Geschwindigkeit, die sie alleine nicht zu erreichen im Stande wären. Wohin? Vielleicht auf einen noch unmarkierten (Denk-)Raum zu, in dem sich ein neues Feld des Wissens konstituiert? Ein Wissen, für das die Einsicht in die Verflochtenheit von Wissensproduktion mit Medien(technologien), Politik und kulturellen Traditionen ebenso grundlegend ist wie die Anerkennung der Verantwortung angesichts der Relativität einer (geteilten) ‹Objektivität›.

Wir leben in einer Zeit, in der Wissen immer direkter als Herrschaft auftreten kann, in der Macht-Wissenskomplexe neue Asymmetrien produzieren und in der es (immer noch) zu wenig Gerechtigkeit gibt. Die Auseinandersetzung mit Canguilhem und Haraway, zu der dieser Band anregt, könnte dazu beitragen, das zeitgenössische Verständnis von Wissenschaft und Objektivität neu zu adjustieren. Wenn dies gelänge, wäre dies nicht nur für Medienwissenschaft im engeren Sinne ein Gewinn. 

  • 1. Zu nennen wären hier beispielsweise Cornelius Borck, Volker Hess, Henning Schmidgen (Hg.), Maß und Eigensinn: Studien im Anschluss an Georges Canguilhem, Paderborn (Fink) 2005 sowie Maria Muhle, Eine Genealogie der Biopolitik. Zum Begriff des Lebens bei Foucault und Canguilhem, Paderborn (Fink) 2013. Veröffentlichte Übersetzungen Canguilhems ins Deutsche in jüngerer Zeist sind u. a.: Die Herausbildung des Reflexbegriffs im 17. und 18. Jahrhundert. Aus dem Franz. übers. und durch ein Vorw. eingel. von Henning Schmidgen, Paderborn (Fink) 2008; Die Erkenntnis des Lebens. Aus dem Franz. von Till Bardoux, Maria Muhle und Francesca Raimondi, Berlin (August-Verl.) 2009; Schriften zur Medizin. Aus dem Franz. von Thomas Laugstien. Mit einem Nachw. von Michael Hagner, Zürich (Diaphanes) 2013.
  • 2. Georges Canguilhem, Maschine und Organismus, in: Ders., Die Erkenntnis des Lebens, Berlin (August-Verl.) 2009, 183-232.
  • 3. Donna Haraway, Ein Manifest für Cyborgs. Feminismus im Streit mit den Technowissenschaften, in: Carmen Hammer, (Hg.), Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen, Frankfurt/M., New York (Campus) 1995, 33–72.
  • 4. Donna Haraway, Situated Knowledges: The Science Question in Feminism and the Privilege of Partial Perspective, in: Feminist Studies 14, 3, 1988, 575-599. Dt.: Situiertes Wissen. Die Wissenschaftsfrage im Feminismus und das Privileg einer partialen Perspektive, in: Hammer (Hg.), Die Neuerfindung, 73-97.
letztes Update am 
2. Mai 2015

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