Ein Name wie ein Programm. Material zum 200. Geburtstag von Ada Lovelace

ADA-Gallery

Eine mathematisch begabte, junge adlige Frau geht im 19. Jahrhundert in die Geschichte des Programmierens ein. Das ist einen kritischen Blick in die Geschichte und die Geschichtsschreibung wert. Hier eine Materialsammlung:

- Detlef Borchers, «Ich bin ein v......t SCHRÄGES Tier!» Zum 200. Geburtstag von Ada Lovelace, in Heise online, 10.12.2015 - eine materialreiche Zusammenfassung der Lebens- und Forschungsgeschichte, noch detailreicher und mit Bildmaterial bei Stephen Wolfram, «Untangling the Tale of Ada Lovelace», auf dem Stephen Wolfram Blog, 10.12.1205,

- eine kritische Historiografie liefert Stefan Betschon in der NZZ (und eine Infragestellung der Formel der ‹ersten Programmierin›), in: Die Zahlenzauberin, 10.12.15: «Wer behauptet, Ada Lovelace sei die erste Programmiererin gewesen, müsste erklären, wie sich das tabellarische Ablaufschema in ein Computerprogramm umdeuten lässt...» - was wiederum Kommentare provoziert, die beklagen, Männer wie Jacquard seien in der Computergeschichte vergessen worden, worauf man dem Autoren das Zählenlernen empfehlen möchte;

- das Heinz-Nixdorf-Computermuseum Paderborn widmet Ada Lovelace eine Ausstellung und kokettiert im Titel gleich mit allen Weiblichkeitsklischees, die mit der Verführung und dem Apfel des Wissens assoziiert werden können, wo das Obst sonst fest in Männerhand ist: «Am Anfang war Ada. Frauen in der Computergeschichte», seit dem 2. September 2015, bis 10. Juli 2016  (mit Vorträgen u.a. von Constanze Kurz, Naja Magnenat-Thalmann, Barbara Rendtorff u.a.); dazu ein Radiointerview mit der Kuratorin Doreen Hartmann von Max Oppel, 1.9.15, DLF;

- «keine feministische Kampfschrift», meldet DeutschlandradioKultur erleichtert, sondern eine ganz nüchterne Sache - im Fink Verlag erschien ein Sammelband: Sybille Krämer (Hg.), Ada Lovelace. Die Pionierin der Computertechnik und ihre Nachfolgerinnen, Paderborn 2015, 221 Seiten, 19,90 Euro;

- Krämers Vortrag im HNF (30. Sept. 2015) fasste die Perspektive auf Lovelace prägnant zusammen: «Ada Lovelace gilt als ‹erste Programmiererin›. Sie gibt 1843 eine weit in das Computerzeitalter vorausschauende Beschreibung der von Charles Babbage entworfenen universalen Maschine heraus und schreibt deren erstes Programm. Zugleich kreuzen sich in ihr die Bahnen weiblicher Existenz ihrer Zeit: kein Zugang zu Bibliotheken, das Interesse für Maschinen und Mathematik gilt als unweiblich, drei Kinder benötigen Aufmerksamkeit, die eigene Kreativität versteckt sich im Gewande der Übersetzung von Werken anderer. Doch was Ada Lovelace hinterlassen hat, ist nichts weniger als die Geburtsstunde zweier für das Zeitalter der Digitalität grundlegender Unterscheidungen: Es ist die Trennung zwischen Hard- und Software sowie die Einsicht, dass universelle Maschinen nicht mit Zahlen, sondern mit Symbolen operieren.»

- vgl. die sehr gute Zusammenstellung auf Wikipedia,
- klassisch: die Biografie von Dorothy Stein, Ada. A Life and a Legacy, Cambridge MA (MIT Press) 1985, übersetzt bei Kadmos: Dorothy Stein, Ada Augusta Lovelace. Eine Frau am Anfang der Moderne, Berlin 1999 (jetzt zum Jubiläumspreis von nur 9,99 Euro),
- und ebenfalls fast historisch: Ulrike Bergermann, Virtuelle Empfängnis. Ada Lovelaces Wiedergeburt als Schutzheilige der Frauencomputergeschichte in Lynn Hershman Leesons Film «Leidenschaftliche Berechnung» (1997), in: Gesellschaft für Informatik (Hg.), Rundbrief Frauenarbeit und Informatik – Schwerpunkt Geschichte, Heft 17, Juni 1998, 24-29;
- wer lieber hört: ein Beitrag von Klaus Lokschen, Pionierin des Programmierens im 19. Jahrhundert, in Deutschlandradio Kultur (10.12.15).

Die ZfM wünscht sich einen Beitrag zu diesem Thema! Bitte melden unter blog at zfmedienwissenschaft dot de.

 

PS: EIne kritische Ausstellungsbesprechung von Thorben Mämecke, Ada, Countess of Numbers, in: Missy Magazine, 13.11.2015

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