Faktizitäten

«Fakten, Fakten, Fakten – und immer an die Leser denken!» Der Slogan, mit dem seinerzeit das Nachrichtenmagazin FOCUS lanciert wurde, gewinnt dieser Tage neue Aktualität: Meinungsge(t)witter sozialer Medien evozieren eine Renaissance des Qualitätsjournalismus. Science Marches proklamieren evidenzbasierte Erkenntnis. Und philosophische Arrièregardes predigen die Rückkehr zu erkenntnisunabhängigen Tatsachen.

Jenseits eines Erstaunens über die Selbstverständlichkeit und Positivität, mit denen derartige Realitätsanker Halt in einer von Truthiness-Sturmen erschutterten Welt- und Wissensordnung versprechen, möchte der Themenschwerpunkt erkunden, wie mediale Prozesse an der Produktion von Faktizität beteiligt sind. Mit dem Begriff der Faktizitäten werden – uber die von Heidegger oder Habermas geprägte Begriffsgeschichte hinaus – aktuelle mediale Praktiken, Techniken, Politiken und Ästhetiken und deren Schnittstellen in den Blick genommen, die an der Produktion, Dekonstruktion oder Transformation von Fakten mitwirken. Wie werden in epistemologischer oder politischer Hinsicht im Anschluss an (un)gesicherte Lagen ‹Fakten geschaffen›? Inwiefern verschwimmen in den faktischen Outputs medientechnischer und -praktischer Verfahren die Unterscheidungslinien zwischen Virtuellem und Materiellem? Und wie wirken mediale Weisen des Informationsdesigns und der Ästhetisierung von Daten an der Verfestigung von Faktizität mit? Der Schwerpunkt hinterfragt somit das Verhältnis von Medialität und Faktizität und unterzieht den gegenwärtigen Diskurs um das ‹Postfaktische› einer Reihe von Einzelanalysen.

Redaktion des Schwerpunkts: Eva Schauerte, Sebastian Vehlken

Texteinreichungen werden bis 15.2.2018 erbeten an redaktion@zfmedienwissenschaft.de

Stylesheet und weitere Hinweise unter
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Erscheinungsdatum 
ZfM 19 – Faktizitäten, erscheint im Okt. 2018