Poetik der Signalverarbeitung

Poetik der Signalverarbeitung

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Abstract (deutsch) 

Signalverarbeitung ist einer der wichtigsten und zugleich am wenigsten untersuchten Aspekte gegenwärtiger Klangkulturen sowie elektronischer Medien im Allgemeinen. In akustischer Hinsicht beeinflusst sie eine Vielzahl von Bereichen, von Musik über verkabelte oder kabellose Übertragung, Rundfunksendungen, bis hin zu alltäglichen Gesprächen und Zuhören. Gerade weil sie in allen Stadien neuerer Sound-Produktion, -Reproduktion und -Rezeption implementiert sind, sind signalverarbeitende Prozesse als eigener Forschungsgegenstand schwer fassbar geblieben. In diesem Artikel geht es nun um eine Poetik der Audio-Signalverarbeitung – die gestaltenden Elemente des technischen Prozesses und dessen Repräsentationen in tontechnischen Diskursen. Der Fokus liegt auf zwei Metaphern, die im alltäglichen Sprachgebrauch von Musikern und Tontechnikern auf Signalverarbeitung angewendet werden: Kochen und Reisen. Mit Bezug auf Lévi-Strauss schlagen wir in diesem Artikel vor, dass Signalverarbeitung durch die Metaphern des Rohen und des Gekochten zu einer Kulturtechnik erhoben wird, die den Klang mit Hilfe spezialisierter Technologien und Techniken für den Genuss für andere «zubereitet». Mit diesem Argument wird die Verräumlichung des Signalflusses und das Design von Schaltkreis-Topologien im Kontext tradierter Vorstellungen des Reisens und der Reise verortet, die Erkenntnismodelle zum Klang beeinflusst haben. Wie auch in weiteren sozialen Kontexten markieren Kochen und Reisen als Metaphern für Signalverarbeitung kulturelle Verortungen (z.B. als vergeschlechtlichte, klassenspezifische, befähigte Positionierungen). Signalverarbeitung ist nicht nur unter dem Aspekt von Repräsentation zu betrachten, sie ist, und das mehr als andere technische Register, direkt mit zeitgenössischen kulturellen Politiken der Wahrnehmung und der Rezeption verknüpft. Während der vorliegende Artikel sich ausschliesslich auf Tontechnik konzentriert, schlagen wir vor, dass eine umfassende kulturelle Analyse der Signalverarbeitung sich mit ihrer zentralen Rolle alle Sinne betreffend zu befassen hätte.

Abstract (english) 

Signal processing is one of the most important and understudied dimensions of contemporary sound cultures, and of electronic media more broadly. In the sonic register, it inflects everything from music production, wired or wireless transmission, and radio broadcast to everyday conversation and listening. Because it is embedded in all stages of contemporary sound production, reproduction, and reception, it has remained an elusive subject for critique. This essay considers the poetics of audio signal processing – the figural dimensions of the technical process and the representations of this process in audio-technical discourse. The article focuses on two metaphorical frames commonly applied to signal processing in the everyday language of musicians and audio technologists: cooking and travel. Through a reading of Lévi-Strauss, it suggests that metaphors of rawness and cooking elevate signal processing to a kind of culturing process, by which sound is readied for consumption by listeners through specialized technologies and techniques. The argument situates the spatialization of signal flow and the design of circuit topology within longstanding ideas about travel and voyage that inflect Western epistemologies of sound. As metaphors for signal processing, cooking and travel mark cultural locations (e.g., gendered, classed, able-bodied positionalities) much as they do in broader social contexts. Not only is signal processing subject to the critique of representation, it is, more than any other technical register, directly linked to the contemporary cultural politics of perception and reception. Although this article focuses on sound technologies, a full cultural critique of signal processing would consider its central role in every sense register.

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