Über eine materialistische Seite von Camp

Über eine materialistische Seite von Camp

Naturgeschichte bei Jack Smith vorgestellt von Marc Siegel

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Abstract (deutsch) 

‹Camp› ist ein ebenso schillerndes wie nach wie vor untertheoretisiertes Phänomen. Gewöhnlich grob mit einer an Kitsch grenzenden schwulen Ästhetik assoziiert und abgewertet, entfaltet es sich dem näheren Blick als ein ebenso faszinierender wie hinsichtlich seiner ästhetischen, ethischen und politischen Aspekte höchst komplexer Untersuchungsgegenstand. Sofern das Phänomen überhaupt ernsthaft diskutiert worden ist, hat man es indes zumeist mit dem kritischen Projekt verbunden, im Blick auf die sich in Camp manifestierende Gender Performance die historische Gewordenheit von Geschlechtsidentitäten herauszustellen. Der Artikel wird eine Perspektive vorschlagen, die das kritische Projekt, Geschichte in dem zu lesen, was sich als Natur installiert, in komplementärer Weise ergänzt: Hier geht es weniger darum, der Dimension von Geschichte in Natur, sondern der Dimension von Natur in Geschichte gewahr zu werden. Die Camp-Ästhetik von Jack Smith bietet dafür reichhaltiges Material. Ins Blickfeld rückt so auch eine ernste, materialistische Seite des Phänomens Camp, die durch seine übliche Theoretisierung in Begriffen von Ironie, Parodie und Ästhetizismus verstellt wird.

Abstract (english) 

‹Camp› is a phenomenon that is as fickle as it is undertheorized. Usually loosely associated with and denigrated as a gay aesthetic that borders on kitsch, on closer inspection it turns out to be an object of study that is both fascinating and highly complex in terms of its aesthetic, ethical, and political aspects. When the phenomenon has seriously been discussed at all, it has usually been associated with the critical project of highlighting the historical development of gender identities in the light of a kind of gender performance manifest in camp. This essay will propose a perspective that supplements the critical project of reading history in what is presented as nature. This is not so much about becoming aware of the dimension of history in nature, but of the dimension of nature in history. The camp aesthetics of Jack Smith is a rich source of material in this endeavor. It brings a serious, materialist side of the phenomenon of camp into the field of vision, which repositions the usual theorizing about terms such as irony, parody, and aestheticism.

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